Der Rosenstar (Pastor roseus) zählt zu den regelmäßig auftretenden Irrgästen in Deutschland. Sein Auftreten zeigt zwei klar getrennte Schwerpunkte: ein Frühjahrsauftreten im Mai und Juni sowie ein Herbstauftreten vor allem von August bis Oktober.
Im Frühjahr dominieren Vögel im zweiten Kalenderjahr (K2), die auf dem Nordostzug zu ihren Brutgebieten in Südosteuropa und Zentralasien über das eigentliche Ziel hinausschießen. Diese sogenannte Zugprolongation erklärt die meisten Frühjahrsnachweise in Mitteleuropa. Die Geschlechtsbestimmung ist dabei oft schwierig, da junge Männchen ihr volles Prachtkleid erst ab dem dritten Lebensjahr ausbilden.
Im Herbst verändert sich das Bild deutlich: Dann erscheinen fast ausschließlich Jungvögel des laufenden Jahres (K1) aus mittel- und osteuropäischen Brutgebieten. Sie schließen sich häufig ziehenden Starentrupps an und können im unauffälligen Jugendkleid leicht übersehen werden. Der September bildet den wichtigsten Herbstmonat, während die Nachweise im Oktober bereits deutlich zurückgehen. Der späteste Nachweis eines Rosenstars in Deutschland ist auf den 17.November 2023 datiert. Ein Vogelim ersten Kalenderjahr wurde im Petkumer Deichvorland von Emden festgestellt.
Helgoland nimmt unter den deutschen Beobachtungsorten eine herausragende Stellung ein und vereint einen großen Teil aller Nachweise auf sich. Besonders im Herbst profitiert die Insel von ihrer Lage auf dem Zugweg osteuropäischer Stare, wodurch Rosenstare dort überdurchschnittlich häufig entdeckt werden. Im Frühjahr verlagert sich der Schwerpunkt dagegen stärker auf das Festland.
Frühjahrsbeobachtungen konzentrieren sich vor allem auf Süddeutschland. Insbesondere Bayern und Baden-Württemberg mit ihren großen Seenlandschaften und offenen Agrarräumen stellen wichtige Rastgebiete für die Vögel dar. Daneben werden Rosenstare regelmäßig an der Nordseeküste und auf den vorgelagerten Inseln festgestellt.
Im Herbst liegt der Schwerpunkt der Nachweise deutlich im Norden Deutschlands. Neben Helgoland spielen vor allem die ostfriesischen Inseln sowie die Ostseeinseln Mecklenburg-Vorpommerns eine wichtige Rolle als Beobachtungsorte ziehender Jungvögel.
Das Auftreten des Rosenstars in Deutschland unterliegt starken jährlichen Schwankungen und wird von gelegentlichen Invasionsjahren geprägt. Diese stehen in engem Zusammenhang mit Massenvermehrungen von Heuschrecken in den Brutgebieten Südosteuropas und Zentralasiens, die außergewöhnlich hohe Bruterfolge ermöglichen.
Besonders ausgeprägte Einflüge wurden 2002, 2018 und 2020 registriert. Während 2002 vor allem durch einen Herbsteinflug von Jungvögeln gekennzeichnet war, brachte 2018 einen bemerkenswerten Frühjahrseinflug mit zahlreichen Altvögeln. Den bisherigen Höhepunkt erreichte die Art im Jahr 2020 mit Rekordzahlen in Deutschland und weiten Teilen Europas. Auch 2021 wurde noch ein deutlicher Nachfolgeeinflug festgestellt, der vermutlich auf die erfolgreiche Brut der Vorjahresvögel in Westeuropa zurückzuführen war.
Das Jahr 1875 gilt als das bedeutendste Rosenstarjahr der mitteleuropäischen Naturgeschichte. Schätzungsweise 12.000 bis 14.000 Individuen erschienen damals in Norditalien, mehrere Tausend davon schritten sogar zur Brut. Gleichzeitig wurden Rosenstare in weiten Teilen Mitteleuropas beobachtet und drangen bis nach Dänemark, Frankreich und Deutschland vor.
Auch in Deutschland wurden für damalige Verhältnisse außergewöhnlich hohe Zahlen registriert. So wurden bei Belzig in Brandenburg 18 Individuen beobachtet, während bei Neuruppin Trupps von 70 bis 80 Vögeln auftraten. Solche Ansammlungen wurden weder zuvor noch später in vergleichbarer Größenordnung dokumentiert.
Die Nachweiszahlen des Rosenstars haben in Deutschland seit den 1970er Jahren deutlich zugenommen. Während die Art früher unregelmäßig erschien und in manchen Jahren vollständig fehlte, wird sie seit 2001 alljährlich nachgewiesen. Diese Entwicklung dürfte sowohl auf die wachsende Beobachtungsintensität als auch auf eine tatsächliche Ausbreitung beziehungsweise Bestandszunahme in den westlichen Teilen des Brutareals zurückzuführen sein.
Die 251 Nachweise der DAK-Datenbank umfassen ausschließlich von der Deutschen Avifaunistischen Kommission anerkannte Meldungen. Einige gut dokumentierte Rosenstar-Nachweise sind darin jedoch nicht enthalten:
DDR-Nachweise (1979–1990): In der DDR existierte ein eigenständiges Dokumentationssystem mit wissenschaftlich anerkannten Fachpublikationen. Die dort veröffentlichten Nachweise wurden nach der Wiedervereinigung nicht in die DAK-Statistik übernommen.
Nicht eingereichte BRD-Nachweise: Auch aus der alten Bundesrepublik sind einzelne gut dokumentierte Beobachtungen bekannt, die nie zur DAK-Prüfung eingereicht wurden. Dazu zählen unter anderem Nachweise aus den Jahresberichten der Vogelwarte Helgoland.
Die folgende Tabelle enthält alle bekannten, ausreichend dokumentierten Rosenstar-Nachweise aus dem DAK-Zeitraum, die nicht in die offizielle DAK-Statistik eingeflossen sind.
Zitiervorschlag:
Trepte, A. (2026): [Seitentitel]. Abgerufen am [TT. Monat JJJJ], von [URL]
Wichtig: Die Inhalte dieser Seite sind nicht Public Domain. Das Zitieren von Textinhalten mit Quellenangabe nach wissenschaftlichem Standard ist selbstverständlich möglich; Grafiken und Fotos dürfen jedoch nicht ohne ausdrückliche Genehmigung verwendet, kopiert oder weiterverbreitet werden.