Rosenstar (Pastor roseus) im Schlichtkleid; sitzt auf einen Ast Oman (Dezember 2025)
Rosenstar (Pastor roseus) im Schlichtkleid; Oman (Dezember 2025)
Karte zur Verbreitung des Rosenstars (Pastor roseus)
Verbreitung

Der Rosenstar (Pastor roseus) ist ein Gastvogel, der in Deutschland immer öfter nachgewiesen wird. Sein Verbreitungsschwerpunkt liegt in den Steppen Zentralasiens bis Südosteuropa. Dort ernährt er sich vorwiegend von Heuschrecken. Kommt es im Zuge von Massenvermehrungen zu Wanderungsbewegungen der Heuschrecken, schließt sich der Rosenstar an. Die Vögel können dann auch spontan weitab von ihrem eigentlichen Brutareal brüten. 

In Deutschland sind seit dem 16. Jahrhundert mehrere größere Einflüge des Rosenstars belegt worden, zum Beispiel 1517 in Sachsen. Inwieweit diese mit den Wanderungs­be­we­gungen der Europäischen Wanderheuschrecke (Locusta migratoria) zusammenhingen, ist unklar. Dass es dabei zu Bruten in Deutschland gekommen sein könnte, wird nicht ausgeschlossen. 

Da der Rosenstar außerhalb der Brutzeit in riesigen Schwärmen auftreten kann, gibt es Überlegungen, ihn gezielt bei der Bekämpfung von Wanderheuschrecken einzusetzen. 

Steckbrief

Größe: 19–24 cm; Gewicht: 60–88 g

Verbreitung: Brutgebiete von der Ukraine und dem südlichen Russland über Kasachstan und die Mongolei bis nach Nordwestchina; gelegentliche Brutvorkommen in Südosteuropa (z. B. Bulgarien, Rumänien, Ungarn); Überwinterung in Indien und Sri Lanka

Zugverhalten: Langstreckenzieher; Zug ins indische Winterquartier von Juli bis Oktober, Rückkehr ins Brutgebiet ab Mitte April

Nahrung: Hauptsächlich Insekten (v. a. Heuschrecken, Käfer, Raupen, Motten), auch Spinnen, Schnecken, Früchte (z. B. Feigen, Maulbeeren, Trauben, Aprikosen), Samen, Nektar

Lebensraum: Offene Steppen mit hoher Heuschrecken-Dichte, meist in Gewässernähe; außerhalb der Brutzeit auch in Wäldern, Kulturlandschaften und Städten

Brutzeit: Mai bis Juli

Nest: In Felsspalten, Mauerritzen, Bahn- oder Gebäudespalten, seltener in Bäumen; Nest aus Gräsern, Zweigen, Federn, oft mit aromatischen Pflanzen ausgelegt; Kolonien mit mehreren Tausend Paaren möglich; 

Fortpflanzung: Monogam; 3–6 Eier; 1 Brut pro Jahr; Brutdauer ca. 15 Tage; Nestlingszeit: ca. 24 Tage; Betreuung nach dem Ausfliegen: kurz

Höchstalter: unbekannt

 


Vorkommen in Deutschland

In Deutschland ist der Rosenstar ein regelmäßiger Irrgast, dessen Auftreten seit den 1970er Jahren deutlich zugenommen hat. Während die Art früher in manchen Jahren vollständig fehlte, wird sie seit 2001 jährlich nachgewiesen. Die jährlichen Nachweiszahlen schwanken jedoch erheblich und werden immer wieder von ausgeprägten Invasionsjahren beeinflusst.

Jährliches Auftreten: Beobachten kann man den Rosenstar mittlerweile jedes Jahr in Deutschland. Oft sind es einzelne Vögel. In manchen Jahren kommt es jedoch zu starken Einflügen. Besonders ausgeprägt waren die Invasionen der Jahre 2002, 2018 und 2020, wobei 2020 mit 46 Nachweisen den bislang stärksten Einflug darstellte. 

Saisonales Auftreten: Das Auftreten konzentriert sich auf zwei Zeiträume. Im Frühjahr (Mai bis Juni) überwiegen Vögel im zweiten Kalenderjahr, die auf dem Heimzug über ihre Brutgebiete hinaus nach Westen gelangen. Im Herbst (August bis Oktober) erscheinen fast ausschließlich Jungvögel des laufenden Jahres, die sich häufig ziehenden Starentrupps anschließen. Der September bildet den Höhepunkt des Herbstauftretens; Nachweise reichen vereinzelt bis Mitte November.

Räumliche Verbreitung: Helgoland ist der bedeutendste Beobachtungsort Deutschlands und weist besonders im Herbst zahlreiche Nachweise auf. Im Frühjahr liegt der Schwerpunkt dagegen in Süddeutschland, vor allem in Bayern und Baden-Württemberg. Im Herbst konzentrieren sich die Beobachtungen auf die Nordseeküste mit Helgoland und den ostfriesischen Inseln sowie auf die Ostseeinseln Mecklenburg-Vorpommerns.

Das Invasionsjahr 1875

Das Jahr 1875 gilt als das außergewöhnlichste Rosenstarjahr der mitteleuropäischen Naturgeschichte. Ausgelöst durch eine Massenvermehrung von Heuschrecken in den Brutgebieten erschienen damals schätzungsweise 12.000 bis 14.000 Rosenstare in Norditalien, von denen mehrere Tausend sogar zur Brut schritten. Gleichzeitig drangen zahlreiche Vögel weit nach Mittel- und Westeuropa vor und erreichten unter anderem Dänemark, Frankreich und Deutschland.

Auch in Deutschland wurden für damalige Verhältnisse ungewöhnlich hohe Zahlen registriert. Bei Belzig (Brandenburg) wurden 18 Individuen beobachtet, während bei Neuruppin Trupps von 70 bis 80 Rosenstaren auftraten. Derart große Ansammlungen wurden in Deutschland weder zuvor noch später dokumentiert und machen das Jahr 1875 bis heute zum bedeutendsten bekannten Invasionsjahr der Art.

Zugverhalten

Der Rosenstar ist ein Langstreckenzieher mit teilweise nomadischer Lebensweise. Die Brutvögel der offenen Steppen Zentralasiens bis Südosteuropas überwintern auf dem Indischen Subkontinent, vor allem in Sindh, Kutch, Rajasthan sowie im nordwestlichen und zentralen Indien. Die in Mitteleuropa beobachteten Rosenstare treten als Irrgäste auf und gelangen meist im Zuge von Zugverlängerungen oder sommerlichen Zerstreuungsbewegungen weit über ihr reguläres Zuggebiet hinaus. Heimziehende Vögel erscheinen überwiegend im Mai und in der ersten Junihälfte, seltener bereits in der zweiten Aprilhälfte, während der Herbstzug von Ende August bis September erfolgt. Dabei ziehen Altvögel früher ab als Jungvögel, die teilweise noch bis Oktober oder November unterwegs sind.

Stimme

Der Gesang 🔊 des Rosenstares ist ein lebhaftes, starentypisches Schwatzen aus schwirrenden, krächzenden, pfeifenden und trillernden Lauten, oft unterbrochen von schrillen Tönen und Imitationen anderer Vogelarten. Er wird meist kontinuierlich und laut vorgetragen, etwa zur Nestverteidigung oder bei der Balz, wobei Männchen monotone, sich wiederholende Klangfolgen wie „zili-zili“ oder „zi-zilili-zilili-zilili“ verwenden. Zu den Rufen🔊 gehören Kontaktrufe wie „tschrätschrä“ oder „zirrp“, Warnrufe 🔊 wie „tititini“ bei Störungen am Nest sowie Flugrufe wie „prüit“ oder „trui-trui“, die oft beim Abflug erklingen.

Gesang

Rufe


Merkmale

Das Männchen zeigt im Brutkleid einen auffälligen langen Federschopf, schwarzen Kopf, Hals und Brust mit purpurfarbenem Glanz, rosa Unterseite und schwarz-braune Flügel mit grünem Schimmer sowie einen rosa Schnabel mit schwarzer Basis. Im Schlichtkleid sind die schwarzen Federn mit grauen Spitzen gesäumt, was dem Gefieder einen gedämpfteren, braunrosafarbenen Eindruck verleiht. Das Weibchen ist ähnlich gefärbt, aber weniger glänzend, mit kürzerem Schopf und mehr bräunlichem Ton an Kehle und Unterseite. Jungvögel sind oberseits sandgraubraun, mit hellerer Bürzelregion, blasser Brust und dunkel gesäumten Federn an Bauch und Kehle, wodurch ein gesprenkelter Eindruck entsteht. Im ersten Winterkleid zeigen sie einen dunklen Kopf, eine braune Körperunterseite und unscheinbarere Zeichnung als adulte Vögel.