
Der Grünspecht (Picus viridis) ist wie keine andere Spechtart in Mitteleuropa auf Ameisen spezialisiert. Er ernährt sich hauptsächlich von der Roten Waldameise und den Wegameisen. In der warmen Jahreszeit werden die Ameisen vom Grünspecht entlang ihrer Ameisenstraßen aufgelesen. In den Wintermonaten werden gezielt Ameisenhaufen aufgesucht, die auch aus dem Schnee ausgegraben werden.
Diese Spechtart ist besonders anfällig für streng, schneereiche Winter. Es ist deswegen in der Vergangenheit schon zu starken Bestandseinbrüchen gekommen. Besonders zu leiden hatte die Art unter dem Strukturwandel in der Landwirtschaft. Die Population hat sich seitdem erholt, der Grünspecht ist mittlerweile die zweithäufigste Spechtart in Deutschland.
Größe: 31–33 cm
Gewicht: 138–250 g
Verbreitung: Europa von Großbritannien und Südskandinavien bis Westrussland, südwärts bis Frankreich, Nordbalkan und Schwarzes Meer; weitere Vorkommen in Italien, Kleinasien, Kaukasus, Nordiran und Südwest-Turkmenien; isolierte Population in Irak und Iran
Nahrung: überwiegend Ameisen, daneben Insekten, Regenwürmer, Schnecken, gelegentlich Reptilien, Früchte, Beeren
Lebensraum: halboffene Landschaften, Waldränder, Gehölze, Parks, Obstgärten, Siedlungsgebiete, bevorzugt Laubbäume; von Küstenebenen bis in Gebirge
Zugverhalten: Standvogel, kurze Winterbewegungen, seltene Abwanderungen
Brutzeit: März bis Juni
Nest: selbst gezimmerte Höhle in totem oder weichem Holz, meist 2–10 m Höhe, Bauzeit 2–4 Wochen
Fortpflanzung: monogam; Gelege 4–11 Eier, meist 5–8; 1 Brut pro Jahr; Brutdauer 14–17 Tage; Nestlingszeit 23–27 Tage; Betreuung durch Eltern weitere 3–7 Wochen
Höchstalter: 15 Jahre, 1 Monat
Bestand: 69.000-125.00 Brutpaare in Deutschland, 0,6-1,0 Millionen Brutpaare in Europa, 1,2-2,2 Millionen Vögel weltweit
Status: global nicht gefährdet (Least Concern);
In Deutschland: Jahresvogel, brütet in ganz Deutschland, nicht gefährdet, mäßig-häufig, zunehmend

In Deutschland ist der Grünspecht hauptsächlich an Waldrändern von Laub- und Mischwäldern und im Feldgehölz zu finden. Als Kulturfolger besetzt er Streuobstwiesen, alte Parkanlagen, Friedhöfe und größere Gärten mit einem alten Baubestand. Als Nahrungshabitat ist er auf kurzrasige Wiesen angewiesen.
Der Grünspecht ist in ganz Deutschland, mit Ausnahme der Küstenregionen, verbreitet. In den Alpen brütet er bis zur Baumgrenze.
Grünspechte sind in Deutschland ausgesprochene Standvögel. Nur sehr selten sind Wanderungsbewegungen von mehr als 10 km festgestellt worden.
Die Bestandsentwicklung des Grünspechtes in Deutschland ist positiv. Das war nicht immer so. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war der Grünspecht die häufigste Spechtart in Deutschland. Ab den 1950er Jahren setzt, wie in vielen Teilen Europas, auch in Deutschland ein starker Rückgang ein. Die Ursachen waren vielfältig. Beigetragen hat der verstärkte Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in der Landwirtschaft. Die Überdüngung von Wiesen. Winter mit langen Frostperioden wirken sich ebenfalls negativ auf die Bestandsentwicklung des Grünspechtes aus.
Die Trendwende setzt in den 1980er Jahren ein. Seitdem haben sich die Bestände deutlich erholt und nehmen weiter zu. Auch der Klimawandel, das Fehlen von schnee- und frostreichen Wintern, tragen dazu bei.
Der Grünspecht trommelt eher selten. Viel häufiger sind die Kontaktrufe zu hören. Sie ähneln sehr dem Grauspecht.
Um auf seinen besonderen Schutzstatus oder auf den gefährdeten Lebensraum hinzuweisen, ist der Grünspecht zum Vogel des Jahres gekürt worden.
Der Grünspecht wirkt insgesamt grün, wobei der gelbgrüne Bürzel im Flug besonders auffällt. Der Oberkopf ist von Stirn bis Nacken leuchtend rot, dazu kommt eine schwarze Gesichtsmaske. Das Männchen besitzt einen roten Bartstreif mit schwarzer Umrahmung, beim Weibchen ist der Bartstreif dagegen rein schwarz. Jungvögel zeigen ein auffällig geflecktes und gebändertes Jugendkleid mit matteren, orangeroten Kopfanteilen und deutlich gestreifter Unterseite, während die Schwanz- und Flankenfedern in allen Kleidern charakteristisch gebändert sind.
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