
Seit der Mitte des 20. Jahrhunderts hat sich die Verbreitung der Wolgascharfstelze (Motacilla flava lutea) deutlich verändert. Während das Brutareal früher einen weitgehend geschlossenen Gürtel von der unteren Wolga über Kasachstan bis nach Westsibirien bildete, zeigen neuere Daten eine Verlagerung des Arealschwerpunktes nach Westen und Norden. Im europäischen Russland brütet die Art heute häufiger, insbesondere in Auenlandschaften, Feuchtwiesen und extensiv genutzten Agrarflächen. Gleichzeitig ist am östlichen Rand des Areals eine Ausdünnung und teilweise Rückgang der Brutvorkommen zu erkennen, vor allem in Teilen Westsibiriens. Als Hauptursachen gelten der Klimawandel mit steigenden Temperaturen sowie die damit verbundene Verschiebung geeigneter Vegetations- und Nahrungsgrundlagen. Zusätzlich beeinflussen menschliche Landschaftsveränderungen wie Bewässerung, Entwässerung und landwirtschaftliche Nutzung die heutige Verbreitung der Wolgascharfstelze maßgeblich .
Größe: 17 cm; Gewicht: 12-26 g
Verbreitung: Eurasische-russische Steppe in den Flussauen von Wolga und Kama; westlich begrenzt durch Kama-, Wjatka-, Sura- und Ilovlya-Täler, südlich bis ins Wolgadelta, nördlich etwa bis 58° N, östlich bis Westsibirien
Nahrung: Wirbellose Tiere, vorwiegend Fliegen, Mücken, kleine Käfer, Insektenlarven, selten Pflanzliches
Lebensraum: offenen, feuchten Landschaften wie Flussauen, Wiesen und extensiv genutzten Agrarflächen
Zugverhalten: Langstreckenzieher, überwintert von Ost- bis Südafrika, Schwerpunkt
Kenia, Tansania; seltener Arabische Halbinsel (Oman), vereinzelt Sri Lanka, Indien.
Brutzeit: Mai – Juli, Abzug im August
Nest: Bodennest, meist in einer Mulde, napfförmig, nach oben durch Vegetation abgedeckt
Fortpflanzung: siehe Schafstelze
Höchstalter: siehe Schafstelze
Bestand: Der europäische Bestand wird auf bis zu 165.000 Brutpaare geschätzt..
Status: nicht gefährdet, Trend: abnehmend
In Deutschland nicht nachgewiesen, von der Gelbkopf-Schafstelze nicht zu unterscheiden.
Die Rufe der Wolgascharfstelze bestehen meist aus kurzen, hellen bis leicht raspelnden Lauten, die als Kontakt- oder Flugruf geäußert werden und häufig als „tsrip“, „psriep“ oder ähnlich wiedergegeben werden. Sie wirken dabei etwas schärfer und rauer als bei manchen westlichen Schafstelzenformen, sind insgesamt aber typisch schafstelzenartig und wenig variabel aufgebaut. Ob dieser eher der Zitronenstelze ähnliche Ruf ein mögliches Kriterium ist, um eine Gelbkopf-Schafstelze auszuschließen, ist umstritten.
Die Wolgascharfstelze nutzt nach zwei Hauptzugrouten. Populationen aus dem europäischen Russland und dem westlichen Kasachstan ziehen überwiegend über den Nahen Osten nach Ostafrika, dem wichtigsten Überwinterungsgebiet. Eine kleinere östliche Teilpopulation folgt der zentralasiatischen Zugroute und überwintert im indischen Subkontinent bis nach Sri Lanka. Seit dem späten 20. Jahrhundert wird zudem eine Verkürzung der Zugwege beobachtet, da einzelne Vögel bereits auf der Arabischen Halbinsel überwintern.
Das Männchen der Unterart lutea zeigt im Brutkleid eine deutlich gelbbetonte Kopfzeichnung, die jedoch variabel ausgeprägt ist. Der Kopf kann vollständig gelb erscheinen oder aus einer Kombination von gelbem Überaugenstreif, gelber Stirn und grünlich bis olivfarben gefärbtem Scheitel bestehen. Häufig ist eine dunkle bis schwärzliche Zügel- oder Augenlinie vorhanden, die dem Kopf ein kontrastreicheres Erscheinungsbild verleiht. Die Ohrdecken sind meist nicht rein gelb, sondern grünlich bis olivfarben getönt.
Der Rücken ist grau- bis olivgrün, oft etwas matter und weniger warm gefärbt als bei westlichen Unterarten. Die Unterseite ist leuchtend gelb, meist kräftiger gefärbt als bei der Nominatform. Insgesamt wirkt das Männchen von lutea kontrastreicher im Kopfbereich, jedoch weniger einheitlich gefärbt.
Eine Unterscheidung zur Gelbkopf-Schafstelze ist nicht möglich. Die Wolgaschafstelze überwintert von Ostafrika bis Südafrika, die Gelbkopf-Schafstelze in Westafrika. Die Zugwege überschneiden sich nicht. Ein Auftreten der Wolgaschafstelze in Mitteleuropa ist sehr unwahrscheinlich.
Jungvögel: Partielle Jugendmauser im Spätsommer. Sie umfasst Körpergefieder und Teile der Flügeldecken, während Schwingen und Steuerfedern meist unvermausert bleiben. Abschluss überwiegend bis August–September. Häufig verbleiben im 1. Kalenderjahr noch Anteile des Jugendgefieders mit erkennbarer Mausergrenze. Der vollständige Wechsel ins adulte Federkleid erfolgt erst mit der ersten vollständigen Postnuptialmauser im 2. Kalenderjahr.
Altvögel: Nach der Brut vollständige Postnuptialmauser im Sommer, teils während des Wegzugs und gelegentlich unterbrochen. Vor der nächsten Brutsaison partielle Pränuptialmauser (Frühjahrsmauser) mit Wechsel ins Prachtkleid, ohne vollständigen Gefiederersatz.
Zitiervorschlag:
Trepte, A. (2026): [Seitentitel]. Abgerufen am [TT. Monat JJJJ], von [URL]
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