Steppenadler

Aquila nipalensis

Schutzstatus des Raubwürgers gemäß der Roten Liste der Brutvögel des IUCN, EU, in Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Schutzstatus

Steppenadler (Aquila nipalensis); Jungvogel.
Steppenadler (Aquila nipalensis); Jungvogel.

Der Steppenadler (Aquila nipalensis) gilt weltweit als stark gefährdet. In großen Teilen seines Verbreitungsgebiets von Osteuropa über Zentralasien bis nach Afrika und Südasien sind die Bestände in den vergangenen Jahrzehnten deutlich zurückgegangen. Hauptursachen sind vorwiegend Lebensraumverlust, Vergiftungen (z. B. durch Tierarzneien und Pestizide), direkte Verfolgung sowie Stromschlag und Kollisionen an Freileitungen. Telemetrische Studien zeigen, dass viele Individuen auf ihren über 10 000 km langen Zugwegen regelmäßig Deponien und intensiv genutzte Agrarlandschaften aufsuchen und dort einem besonders hohen Risiko ausgesetzt sind. Ein wirksamer Schutz erfordert daher internationale Kooperation entlang der Zugkorridore sowie in den Winterquartieren und die Sicherung geeigneter Brutgebiete.

Steckbrief

Größe: 60–81 cm; Spannweite 165–214 cm

Gewicht: ♂ 2000–3500 g; ♀ 2300–4900 g

Verbreitung: A. n. orientalis von Südosteuropa-Russland ostwärts bis bis Tien Shan und Altai; Überwinterung im Nahen Osten, Ost- und Südafrika. A. n. nipalensis von Altai und Tibet ostwärts bis Nordostchina; Überwinterung vorwiegend in Süd- und Südostasien

Nahrung: hauptsächlich Ziesel und andere kleine bis mittelgroße Säuger, Vögel, Reptilien, Insekten; Jungvögel oft Aas; im südlichen Afrika auch geflügelte Termiten und Nestlinge von Webervögeln

Lebensraum: offene Lebensräume; Steppe, Halbwüste, Buschland, Grasland; nipalensis im Brutgebiet auch Gebirge bis 3000 m; orientalis in Tiefland und niedrigen Hügeln

Zugverhalten: orientalis vollständig ziehend; Abzug aus den Brutgebieten Ende August und September; Meidung größerer Meeresquerungen; Zug über Engstellen wie Israel, Suez, Bab al Mandab; nipalensis weniger ziehend; Überwinterung überwiegend in Südasien

Brutzeit: April–Juli

Nest: große Reisigplattform, meist 70–100 cm breit; Nestmulde oft mit kleineren Zweigen, alten Lumpen, Knochen, Mauserfedern und Kamelmist ausgekleidet; früher meist Bodenbrüter; heute oft auf Büschen, kleinen Bäumen, Felsen, Klippen sowie künstlichen Strukturen

Fortpflanzung: Gelegegröße 1–3 (4) Eier; 1 Brut pro Jahr; Brutdauer 45 Tage; flügge nach 55–65 Tagen; 

Höchstalter: 41 Jahre in Gefangenschaft

Bestand: weltweit 50.000–75.000 Individuen; 800–1.200 Paare in Europa 

Status: stark gefährdet (EN); in Europa vom Aussterben bedroht; Trend: abnehmend; über 80 % in Europa in den vergangenen 40 Jahren. 

In Deutschland: 5 Nachweise, zuletzt 2016 in NRW


Stimme

Insgesamt ist die Art nicht besonders ruffreudig und außerhalb der Brutzeit meist still.  Am Brutplatz ist oft ein hohes, kläffendes „kau-kau“  typisch. Daneben treten auch hellere, pfeifende Laute auf, ähnlich wie beim Schellalder oder Schreiadler. Während der Balz äußert das ♂ zusätzlich höherfrequente Rufe wie „ki-ark“ sowie rauere Serien wie „kekeke…“, während das ♀ am Nest eher miauende Laute („shreep-shreep“) hören lässt. 

Karte zu den Beobachtungen des Steppenadlers in Deutschland
Beobachtungen

Beobachtungen in Deutschland

Beobachtungen des Steppenadlers werden in Deutschland erst seit 2005 als Wildvogel anerkannt. Es liegen insgesamt fünf anerkannte Nachweise vor. Dabei handelte es sich ausnahmslos um Jungvögel im 2. bis 4. Kalenderjahr. Die letzte Beobachtung eines Wildvogels gelang 2016 im Kreis Viersen (NRW).

Frühere Beobachtungen wurden von der deutschen Seltenheitskommission nicht als Wildvogel-Nachweise eingestuft, sondern in der Regel als Volierenvögel behandelt. Der Steppenadler ist in Deutschland ein beliebter Vogel in Falknereien und Zoos und wird dort auch in Flugshows eingesetzt.

Merkmale

Adulte ♂ und ♀ zeigen ein überwiegend dunkelbraunes, einfarbig wirkendes Gefieder ohne auffällige Zeichnung. Gelegentlich ist ein angedeuteter rostbrauner Nackenfleck vorhanden, während die Steuerfedern eine schmale, oft undeutliche graue Bänderung aufweisen. Mit zunehmendem Alter verschwinden die rostgelben Abzeichen der Jungkleider, das Gefieder wird insgesamt dunkler und einheitlicher, wobei Übergangskleider noch Reste der Jugendzeichnung zeigen.

Jungvögel sind dagegen deutlich kontrastreicher gezeichnet mit hellen Binden und Spitzen an den Flügeldecken, oft einem hellen Fenster im Handschwingenbereich sowie insgesamt graubrauner Grundfärbung, die im Verlauf der Entwicklung zunehmend verblasst.

 

Quellen und Links

Zitiervorschlag:

Trepte, A. (2026): [Seitentitel]. Abgerufen am [TT. Monat JJJJ], von [URL]

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