Rotlappenkiebitz 

Vanellus indicus

Schutzstatus des Rotlappenkiebitzes (Vanellus indicus) gemäß der Roten Liste der Brutvögel des IUCN, EU, in Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Schutzstatus

Rotlappenkiebitz  (Vanellus indicus); Oman (Dezember 2025)
Rotlappenkiebitz (Vanellus indicus); Oman (Dezember 2025)

Der Rotlappenkiebitz (Vanellus indicus) ist eine Kulturfolger. Alle Aufnahmen auf dieser Seite, sind im urbanen Raum von Maskat entstanden, der Hauptstadt des Omans.

Er ist ein Charaktervogel offener Kulturlandschaften und eng an vom Menschen geprägte Lebensräume gebunden. Der Rotlappenkiebitz zeigt dabei eine bemerkenswerte Anpassungsfähigkeit. So werden als Brutplatz auch Gebäudedächer genutzt. Seine Nahrung besteht überwiegend aus Insekten und anderen Wirbellosen, wodurch er in landwirtschaftlichen Ökosystemen eine wichtige Rolle bei der natürlichen Schädlingsregulation übernimmt. Gleichzeitig bringt die Nähe zum Menschen auch Risiken mit sich, da landwirtschaftliche Arbeiten häufig zu Verlusten von Gelegen führen.

Steckbrief

Größe: 32–35 cm; Flügelspannweite 80–81 cm

Gewicht: 110–230 g

Verbreitung: Südosttürkei, Irak, Iran, Ostarabien, südliches Transkaspien, Afghanistan, Pakistan; Ostpakistan, Indien, Nepal, Bangladesch; Sri Lanka; Nordostindien, Myanmar bis nördliche Malaiische Halbinsel und Südvietnam

Nahrung: Käfer und andere Insekten; außerdem Mollusken, Würmer, Krebstiere; vereinzelt Eier anderer Vogelarten

Lebensraum: Offene Landschaften nahe Süß- oder Brackwasser; besonders Kulturland; Parkanlagen; vom Tiefland bis c. 1.800 m in Sri Lanka, bis mindestens 2.300 m im Himalaya

Zugverhalten: Standvogel, umherstreifend, regional Zugvogel; im Winter meist Abstieg aus höheren Lagen; Rückkehr in der zweiten Aprilhälfte; 

Brutzeit: Irak Mitte April bis Ende Juni; Ostarabien Ende Januar bis Anfang Juli, vor allem April–Mai; Unterart indicus März bis August/September; Sri Lanka während des Südwestmonsuns, vor allem Juni

Nest: flache Nestmulde; ungepolstert oder mit kleinen Steinen, Muscheln und Detritus ausgelegt; meist in Wassernähe; auch auf flachen Kiesdächern und Mauern in Siedlungen

Fortpflanzung: monogam; meist Einzelbrüter, territorial; gelegentlich zwei Bruten pro Jahr; 3–4 Eier; Brutdauer c. 26–30 Tage; Brutpflege durch ♂ und ♀; flügge nach 38 Tagen; 

Höchstalter: unbekannt

Bestand: unbekannt

Status: nicht gefährdet (LC); 

In Deutschland: ein Nachweis, 31. Mai 2019 in Bayern


Stimme

Sehr lautstarker Kiebitz, der auch nachts aktiv ruft. Charakteristisch sind raue, knarrende und schrille Lautfolgen wie „did-he-do-it“ oder „kree-dee-DEER“ 🔊, die häufig monoton wiederholt werden.

Die Rufe treten sowohl als Duette als auch im Balzgesang auf und sind besonders ausgeprägt bei der Nestverteidigung.

Zusätzlich äußert das Männchen ♂ während der Kopulation kurze, langsame oder schnelle „tit-tit-tit“-Rufe.

Rufe


Beobachtungen in Deutschland

Das Verbreitungsgebiet dieses asiatischen Kibeiztzes erstreckt sich bis in die Westpaläarktis. Durch die südöstliche Türkei verläuft die Westgrenze des Verbreitungsgebietes. Es sind überwiegend Standvögel, die außerhalb der Brutzeit nur geringe Tendenzen zu Dispersionsbewegungen zeigen. Zugbewegungen können durch Dürreperioden ausgelöst werden. Aus höheren Regionen wird während der kalten Jahreszeit in tiefer gelegene Gebiete abgestiegen. Beobachtungen aus Europa sind deshalb sehr ungewöhnlich

Die Beobachtung eines Rotlappenkiebitzes am 31.05.2019 im bayrischen Bruch im Landkreis Neu-Ulm war deshalb sehr überraschend. Anhand von Fotos konnte gezeigt werden, dass dieser Vogel im 2. Kalenderjahr zuvor in Kroatien und später auch in Belgien und den Niederlanden nachgewiesen wurde.

Zugverhalten

Der Rotlappenkiebitz ist überwiegend Standvogel, zeigt jedoch regional dispersive Bewegungen und tritt stellenweise als Zugvogel auf. Im Winter erfolgen häufig Höhenwanderungen mit einem Abstieg aus höheren Lagen. In trockenen Regionen werden nach der Brutzeit auch ausgetrocknete Lebensräume verlassenRückkehr in die Brutgebiete ab der zweiten Aprilhälfte.

Überwinterungsgebiete liegen in Südafghanistan und Pakistan.

Merkmale

Kräftig gezeichneter Kiebitz mit schwarzer Brust, rotem Schnabel mit schwarzer Spitze, kleinen roten Hautlappen und langen gelben BeinenMännchen ♂ und Weibchen ♀ äußerlich gleich.

Im Schlichtkleid während der Flügelmauser mit bräunlich getönter Kopfplatte und weiß gesprenkelter Kehle. Oberseite insgesamt dunkel, im Flug auffällig weiße Unterflügel mit schwarzen Handschwingen.

Jungvögel deutlich matter gefärbt mit heller Kehle, graubrauner Brust und Kopf sowie feiner Sprenkelung. Im ersten Jahr mit dunkelbraunem Scheitel und schwarz-weiß gemischter Kehle.

Quellen und Links

  • Ahmad, W., Qureshi, A. M., & Javed, A. (2020). *Ecological study of Vanellus indicus in district Narowal, Pakistan*. American Scientific Research Journal for Engineering, Technology, and Sciences, 72(1), 113–117.  https://asrjetsjournal.org/American_Scientific_Journal/article/view/6231
  • Wiersma, P. and G. M. Kirwan (2020). Red-wattled Lapwing (Vanellus indicus), version 1.0. In Birds of the World (J. del Hoyo, A. Elliott, J. Sargatal, D. A. Christie, and E. de Juana, Editors). Cornell Lab of Ornithology, Ithaca, NY, USA. https://doi.org/10.2173/bow.rewlap1.01
  • siehe auch Literaturvezeichnis 

Zitiervorschlag:

Trepte, A. (2026): [Seitentitel]. Abgerufen am [TT. Monat JJJJ], von [URL]

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