Er ist ein Charaktervogel offener Kulturlandschaften und eng an Lebensräume gebunden, die vom Menschen geprägt sind. Der Rotlappenkiebitz zeigt dabei eine bemerkenswerte Anpassungsfähigkeit. So werden als Brutplatz auch Gebäudedächer genutzt. Seine Nahrung besteht überwiegend aus Insekten und anderen Wirbellosen, wodurch er in landwirtschaftlichen Ökosystemen eine wichtige Rolle bei der natürlichen Schädlingsregulation übernimmt. Gleichzeitig bringt die Nähe zum Menschen auch Risiken mit sich, da landwirtschaftliche Arbeiten häufig zu Verlusten von Gelegen führen.
Größe: 32–35 cm; Flügelspannweite 80–81 cm
Gewicht: 110–230 g
Verbreitung: Südosttürkei, Irak, Iran, Ostarabien, südliches Transkaspien, Afghanistan, Pakistan, Indien, Nepal, Bangladesch; Sri Lanka; Nordostindien, Myanmar bis nördliche Malaiische Halbinsel und Südvietnam
Nahrung: Käfer und andere Insekten; außerdem Mollusken, Würmer, Krebstiere; vereinzelt Eier anderer Vogelarten
Lebensraum: Offene Landschaften nahe Süß- oder Brackwasser; besonders Kulturland; Parkanlagen; vom Tiefland bis c. 1.800 m in Sri Lanka, bis mindestens 2.300 m im Himalaya
Zugverhalten: Standvogel, umherstreifend, regionaler Zugvogel; im Winter meist Abstieg aus höheren Lagen; Rückkehr in der zweiten Aprilhälfte;
Brutzeit: Irak Mitte April bis Ende Juni; Ostarabien Ende Januar bis Anfang Juli, vor allem April–Mai; Unterart indicus März bis August/September; Sri Lanka während des Südwestmonsuns, vor allem Juni
Nest: flache Nestmulde; ungepolstert oder mit kleinen Steinen, Muscheln und Detritus ausgelegt; meist in Wassernähe; auch auf flachen Kiesdächern und Mauern in Siedlungen
Fortpflanzung: monogam; meist Einzelbrüter, territorial; gelegentlich zwei Bruten pro Jahr; 3–4 Eier; Brutdauer 26–30 Tage; Brutpflege durch ♂ und ♀; flügge nach 38 Tagen;
Höchstalter: unbekannt
Bestand: unbekannt
In Deutschland: ein Nachweis, 31. Mai 2019 in Bayern
Sehr lautstarker Kiebitz, der auch nachts aktiv ruft. Charakteristisch sind raue, knarrende und schrille Lautfolgen wie „did-he-do-it“ oder „kree-dee-DEER“ 🔊, die häufig monoton wiederholt werden.
Die Rufe treten sowohl als Duette als auch im Balzgesang auf und sind besonders ausgeprägt bei der Nestverteidigung.
Zusätzlich äußert das Männchen ♂ während der Kopulation kurze, langsame oder schnelle „tit-tit-tit“-Rufe.
Das Verbreitungsgebiet dieses asiatischen Kiebitzes erstreckt sich bis in die Westpaläarktis. Durch die südöstliche Türkei verläuft die Westgrenze des Verbreitungsgebietes.
Die Beobachtung eines Rotlappenkiebitzes am 31.05.2019 im bayerischen Bruch im Landkreis Neu-Ulm war deshalb sehr überraschend. Anhand von Fotos konnte gezeigt werden, dass dieser Vogel im 2. Kalenderjahr zuvor in Kroatien und später auch in Belgien und den Niederlanden nachgewiesen wurde. Über eine Strecke von 1.400 km konnte der Weg dieses Vogels dokumentiert werden.
Der Rotlappenkiebitz ist überwiegend Standvogel, zeigt jedoch regional dispersive Bewegungen und tritt stellenweise als Zugvogel auf. Im Winter werden häufig Höhenwanderungen unternommen. Bei kalter Witterung steigen die Vögel in tiefere Lagen ab. In trockenen Regionen werden nach der Brutzeit ausgetrocknete Lebensräume verlassen. Aus den Überwinterungsgebieten in Südafghanistan und Pakistan zieht es den Rotlappenkiebitz ab der zweiten Aprilhälfte zurück.
Kräftig gezeichneter Kiebitz mit schwarzer Brust, rotem Schnabel mit schwarzer Spitze, kleinem roten Hautlappen und langen gelben Beinen. Männchen und Weibchen sind äußerlich gleich.
Im Schlichtkleid während der Flügelmauser mit bräunlich getönter Kopfplatte und weiß gesprenkelter Kehle. Oberseite insgesamt dunkel, im Flug auffällig weiße Unterflügel mit schwarzen Handschwingen.
Jungvögel deutlich matter gefärbt mit heller Kehle, graubrauner Brust und Kopf sowie feiner Sprenkelung. Im ersten Jahr mit dunkelbraunem Scheitel und schwarz-weiß gemischter Kehle.