Weißschwanzkiebitz

Vanellus leucurus

Schutzstatus des Raubwürgers gemäß der Roten Liste der Brutvögel des IUCN, EU, in Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Schutzstatus

Weißschwanzkiebitz (Vanellus leucurus); Oman (Dezember 2025), steht am Rande eines Klärbeckens.
Weißschwanzkiebitz (Vanellus leucurus); Oman (Dezember 2025).
Karte zur Verbreitung des Steppenkiebitzes (Vanellus gregarius)
Verbreitung

Der Weißschwanzkiebitz (Vanellus leucurus) ist ein seltener Irrgast in Deutschland. Er breitet sich seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zunehmend nach Westen aus. Ursprünglich stammt die Art aus den Steppen- und Feuchtgebieten Zentralasiens. Von dort erreichte sie zunächst den Süden Osteuropas. Später entstanden erste Brutvorkommen im europäischen Russland und im Donaudelta.

In den letzten Jahren hat sich diese Entwicklung weiter fortgesetzt. Es gibt Hinweise auf neue Brutplätze, etwa im Kaukasus. Gleichzeitig verändern sich in Randgebieten die Zuggewohnheiten. Teilweise überwintern Vögel näher an den Brutgebieten oder bleiben ganzjährig vor Ort.

Die Ausbreitung wird vermutlich durch geeignete Feuchtgebiete und klimatische Veränderungen begünstigt. Diese Entwicklung zeigt sich auch in Deutschland. Während Nachweise im 20. Jahrhundert noch selten waren, haben sie im 21. Jahrhundert zugenommen.

Steckbrief

Größe: 26–29 cm;

Flügelspannweite: 55–70 cm

Gewicht: 99–198 g

Verbreitung: C- und SE-Türkei, E-Syrien, Jordanien, NE bis Aserbaidschan und Transkaspien bis L Balkhash, SE bis Irak, Iran und W-Pakistan;

Nahrung: Insekten, besonders Käfer und Heuschrecken; außerdem Raupen, Fliegenlarven, Würmer, Mollusken, Krebstiere, auch Süßwassergarnelen

Lebensraum: Seeufer, Flusstäler, flache stehende oder langsam fließende Gewässer; überflutete oder trockengefallene sumpfige Wiesen; Salzstrauchgelände; feuchte, bewachsene Bereiche an Salz- oder Süßwasser

Zugverhalten: im Nahen Osten Standvogel, in Zentralasien Teilzieher; Abzug Juli bis Mitte September; Ankunft ab Mitte März; Winter September bis März; Zug in kleinen Trupps von 1–6 Vögeln, im Frühjahr bis 100 Individuen

 

Brutzeit: Mitte April bis Mai; bis Juni; teils bereits ab März

Nest: flache Nestmulde, 10–15 cm breit; spärlich mit Pflanzenmaterial, Muscheln und Kieseln ausgelegt; meist offen in Wassernähe

Fortpflanzung: monogam; meist 4 Eier, manchmal 3; 1 Brut pro Jahr, Ersatzgelege möglich; Brutdauer 21–24 Tage; flügge nach ca. 30 Tagen; Betreuung durch beide Eltern, nach dem Ausfliegen weiter bei den Eltern

Höchstalter: unbekannt

Bestand: überwinternde Population 10.000–100.000 Vögel; Sudan 500–1000 Vögel; regional häufig bis sehr häufig; Ausbreitung nach Westen

Status: LC; Least Concern; nicht global gefährdet

In Deutschland: seltener Irrgast; 16 Nachweise


Stimme

Abseits des Brutplatzes überwiegend leise und wenig auffällig. Bei Durchzüglern gelegentlich ein raues, platzendes „kwett-kett“. 🔊Rufe insgesamt dem Kiebitz ähnlich, jedoch weniger klagend wie „tschiiwis“ oder „pi-wick“.  Während der Brutzeit deutlich rufaktiver. In Erregung oder Balz nasale, besorgte Lautfolgen wie „fu’u’-wick🔊“, mit zitterndem, wiederholtem Anfangston. Bei Alarm, schnelle, anhaltend und stakkatoartige Rufreihen wie „nyit-nyit-nyit783129“ bzw. „tschetyre-tschetyre…“, über.   

Beobachtungen in Deutschland

Karte zu den Beobachtungsorten des Weißschwanzkiebitzes (Vanellus leucurus) in Deutschland
Beobachtungen

Der Weißschwanzkiebitz ist in Deutschland seit 1976 insgesamt 16-mal sicher nachgewiesen worden. Sämtliche Beobachtungen erfolgten im Frühjahr und Sommer; Nachweise aus dem Herbst oder Winter liegen bislang nicht vor.

Auffällig ist eine gewisse räumliche Differenzierung: Während sich Sommerbeobachtungen vor allem auf Norddeutschland konzentrieren, treten im Süden Deutschlands auch Nachweise im Frühjahr auf.

In allen Fällen handelt es sich um Einzelindividuen. Mehrere Beobachtungen konnten aufgrund übereinstimmender individueller Merkmale sowie zeitlicher und räumlicher Nähe mit hoher Wahrscheinlichkeit demselben Vogel zugeordnet werden.

Im Vergleich zum späten 20. Jahrhundert hat die Zahl der Nachweise im 21. Jahrhundert zugenommen.

Zugverhalten

Teilzieher, mesopotamische Population teils Stand- oder Strichvögel. Hauptüberwinterungsgebiete von NW-Indien und Pakistan bis SE-Irak, kleinere Zahlen auch Arabische Halbinsel, Ägypten und Sudan. Herbstzug beginnt bereits im August und ist meist Mitte bis Ende September abgeschlossen. Winterquartiere werden ab September bezogen und bis Ende März wieder geräumt. Der Frühjahrszug setzt früh ein. Erste Rückkehrer bereits Ende Februar/Anfang März. Zug insgesamt Mitte bis Ende April beendet.

Merkmale

Männchen ♂ und Weibchen ♀ gleich gefärbt. Schlanker Kiebitz mit langem, dünnem Schnabel, auffällig langen gelblichen Beinen und hellem, wenig gezeichnetem Kopf. Oberseite braun, Stirn und Kopfseiten weißlich, Brust grau, Schwanz rein weiß. Im Brutkleid Oberseite braun mit kupferrötlichem Glanz. Unterseite mit Übergang von weißlichem Kinn über rötlichbraune Vorderbrust zur grauen Hinterbrust. Bauch rosa rahmfarben. Flügel mit großen weißen Feldern und schwarzen KontrastenJungvögel insgesamt dunkler und matter. Oberseite rötlichbraun mit heller Zeichnung. Gesicht und Vorderkörper bräunlich verwaschen. Brust graubraun, mittlere Steuerfedern mit dunklen Spitzen. 

Quellen und Links

Zitiervorschlag:

Trepte, A. (2026): [Seitentitel]. Abgerufen am [TT. Monat JJJJ], von [URL]

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