
Größe: 23–27 cm;
Flügelspannweite 58–67 cm
Gewicht: 42–79 g;
Verbreitung: Nordwestitalien sowie Mittel- und Osteuropa ostwärts über Sibirien, Transbaikalien und die Nordmongolei bis in den Nordosten Chinas; Winterquartiere in Afrika sowie von Südasien bis Neuguinea, Australien und Neuseeland
Nahrung: primär aquatische Insekten; terrestrische Insekten; gelegentlich kleine Fische oder Kaulquappen;
Lebensraum: Brutzeit vorwiegend an vegetationsreichen Süßwasserseen, Sümpfen und Reisfeldern im Binnenland; von borealen Wäldern bis in mediterrane Räume, in Armenien bis 2000 m; auf dem Zug und im Winter an Seen, Flüssen, Stauseen, Lagunen, Felsküsten und Mangrovensümpfen
Zugverhalten: Zugvogel; europäische und westasiatische Populationen Abzug von Ende Juli bis Ende August, Überwinterung überwiegend in Afrika; Zug über östliches Mittelmeer im August bis September; kleinere Winterbestände auch am Schwarzen Meer, in Marokko, im Persischen Golf, in Pakistan, Sri Lanka und Indien
Brutzeit: April–August; Schwerpunkt Juni; in Dürrejahren teils Aussetzen der Brut
Nest: flache Mulde aus Wasserpflanzen; auf schwimmender Vegetation in 30–120 cm tiefem Wasser; gelegentlich am trockenen Ufer oder auf dem Gewässerboden; Nester meist 10–30 m voneinander entfernt, mitunter nur 2,5 m
Fortpflanzung: kleine Kolonien von 3–100 Paaren, meist 20–40 Paare; Gelege 2–3 Eier; 1 Brut pro Jahr; Brutdauer 18–22 Tage; flügge nach 20–25 Tagen;
Höchstalter: unbekannt
Bestand: 66.600–173.000 Brutpaare in Europa; 2,5–4,6 Millionen Individuen weltweit;
Status: nicht gefährdet (LC); Trend abnehmend
In Deutschland: seltener Brutvogel
Die Rufe der Weißflügelseeschwalbe sind insgesamt schnarrend und erinnern an die der Weißbartseeschwalbe, wirken jedoch weniger scharf als bei der Trauerseeschwalbe.
Typische Flugrufe sind kurze, harte Lautfolgen wie „kweek“, „kwek-kwek“, „kreck“ oder „kick“ 🔊, die oft heiser und rau klingen. Bei Erregung oder Alarm werden längere, gereihte Lautfolgen wie „kreck-kereck“, „kriik-kriik“ oder „tschik-ä-tik-tik“ 🔊 geäußert.
Am Brutplatz treten zusätzlich anhaltende, schleifende Rufe wie „scherr-scherr-scherr“ oder „cherr-cherr-cherr“ auf. Die Art ist dabei besonders während der Brutzeit am ruffreudigsten.
Brutvorkommen der Weißflügelseeschwalbe sind in Deutschland seit über 200 Jahren dokumentiert, treten jedoch stets nur sporadisch und in stark schwankender Zahl auf.
Deutschland liegt am Westrand ihres Verbreitungsgebiets, sodass ihr Auftreten stark von Entwicklungen in den östlichen Brutgebieten abhängt.
Größere Brutereignisse stehen meist im Zusammenhang mit Einflugjahren, in denen viele Individuen nach Mitteleuropa gelangen, häufig begünstigt durch Witterungseinflüsse und veränderte Bedingungen im Hauptverbreitungsgebiet. Entscheidend für eine Ansiedlung ist zudem das Vorhandensein geeigneter temporärer Bruthabitate, die vorwiegend durch hohe Wasserstände und Überschwemmungen entstehen.
Treffen starker Einflug und günstige Habitatbedingungen zusammen, kann es zu außergewöhnlichen Brutereignissen kommen. So brüteten 2010 über 1000 Weißflügelseeschwalben in Deutschland, während bereits im Folgejahr nur noch 36 Paare nachgewiesen wurden und die Art danach zeitweise ganz als Brutvogel ausblieb.
Die Weißflügelseeschwalbe ist ein Zugvogel, der als Langstreckenzieher in den Tropen und südlich gemäßigten Breiten überwintert. Die westliche Population zieht über Osteuropa und das östliche Mittelmeergebiet, während entlang westeuropäischer Küsten nur geringe Zugbewegungen stattfinden.
In Mitteleuropa liegt der Herbstzug zwischen Mitte Juli und September, mit zunehmendem Anteil von Jungvögeln im Spätsommer. Der Frühjahrszug erfolgt von Mitte Februar bis Ende April und ist oft durch größere Ansammlungen im östlichen Mittelmeerraum geprägt.
Vögel aus Europa und damit auch aus Deutschland überwintern vor allem in Afrika, insbesondere in der Sahel- und Savannenzone, mit Schwerpunkten in West- und Ostafrika. Kleinere Bestände treten auch in Nordafrika auf, während Überwinterungen in Europa selten bleiben.
Im Brutkleid wirkt das ♂ mit samtig schwarzem Kopf und Körper, deutlich kontrastiert durch weißen Bürzel, Schwanz und helle Oberflügel. Das ♀ ist ähnlich, jedoch insgesamt etwas matter und grauer mit teils heller gesprenkelten Steuerfedern.
Im Schlichtkleid zeigen beide Geschlechter eine weiß dominierte Kopf- und Unterseite mit grauem Nacken und Rücken, auffälligem weißem Halsband sowie hellgrauen Oberseiten und Flügeln. Die Unterseite bleibt weitgehend weiß.
Jungvögel ähneln der Trauerseeschwalbe. Sie sind jedoch kontrastreicher mit dunklem Rücken, hellgrauen Flügeln, weißem Bürzel und meist fehlendem oder nur angedeutetem Brustseitenfleck. Insgesamt variabel gefärbt und mit unscharf begrenzter Zeichnung.
Jungvögel: tragen ihr Jugendkleid bis September; Mauser im Winterquartier abgeschlossen, im Frühjahr meist bereits weitgehend wie Altvögel gefärbt
2. Kalenderjahr: Erscheinungsbild oft schon ähnlich adulter Vögel, jedoch noch mit unregelmäßiger Mauser und teils gemischtem Gefieder
Altvögel: Wechsel vom Schlichtkleid ins Brutkleid beginnt im Winter und ist zum Frühjahr abgeschlossen; nach der Brut erneuter Übergang ins Schlichtkleid
Besonderheit: insgesamt komplizierter Mauserzyklus mit gestaffeltem Federwechsel, daher oft uneinheitliches Gefiederbild; in den Grundzügen typisch für alle Sumpfseeschwalben
Zitiervorschlag:
Trepte, A. (2026): [Seitentitel]. Abgerufen am [TT. Monat JJJJ], von [URL]
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