Weißstorch

Ciconia ciconia

Weißstorch bei der Nahrungssuche an der rumänischen Schwarzmeerküste.
Weißstorch

Der Weißstorch (Ciconia ciconia) ist mit einer Körpergröße von über einem Meter, einem Gewicht von mehr als 4kg und einer Flügelspannweite von 1,6 m ein recht großer Vogel. Es werden zwei Unterarten unterschieden. In Europa, Afrika und Asien ist die Unterart ciconia heimisch. In Zentralasien, zwischen dem Kaspischen Meer und der Wüste Gobi kommt die Unterat asiatica vor, die in Indien überwintert und etwas größer ist.

Lebensraum

Weißstörche bevorzugen offene Landschaften mit feuchten und trockenen Strukturen. Im nördlichen Verbreitungsraum sind sie eher auf das Vorhandensein von Feuchtgebieten angewiesen. Die Störche kommen sonst in einer Vielzahl von Lebensräumen vor. Im Kaukasus sogar in Höhen bis zu 3500m. Sie meiden aber dauerhaft nasse und kalte Gebiete. Niedrige Temperaturen und hohe Niederschläge wirken sich negativ auf den Bruterfolg aus.

Karte zur weltweiten Verbreitung des Weißstorches.
Verbreitung

Verbreitung

Der Weißstorch ist vor allem in Osteuropa, Polen der Ukraine, Weißrussland und Russland verbreitet. Nach einem starken Rückgang erholt sich der Bestand seit Mitte der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts wieder. Mit diesem Trend hat vor allem auch die Population der westdeutschen Störche stark zugenommen. Die größte westeuropäische Population gibt es in Spanien. Dort hat sich die Zahl der Brutpaare von 1984 bis 2004 von knapp 7000 auf mehr als 33000 fast verfünffacht. Darüber hinaus gibt es in Nordafrika mit ca. 15.000 Brutpaaren (Stand 2001) Weißstörche und seit 1933 existiert auch eine kleine Kolonie mit nicht mehr als 10 Paaren in Südafrika.

Nahrung

Weißstörche nehmen ausschließlich tierische Nahrung auf. Sie sind dabei nicht wählerisch, das Nahrungsspektrum ist sehr breit, auch Aas wird gelegentlich nicht verschmäht. Vor allem während der Zugzeit weichen die Vögel gerne auf Mülldeponien aus. So sind in Spanien auf manchen Mülldeponien bis zu 1000 Vögel anzutreffen. Aufgenommen werden kleine Säugetiere, alle möglichen größeren Insekten, Reptilien, Amphibien, Regenwürmer und noch vieles mehr. In spanischen Reisfeldern auch größere Mengen des Roten Amerikanischen Sumpfkrebses. Jungvögel, die damit gefüttert werden, entwickeln schon sehr früh eine rote Bein- und Schnabelfarbe, die den der Altvögel zum Verwechseln ähnelt.

Fortpflanzung

Die Brutzeit beginnt zwischen Februar und April, in Ausnahmefällen auch später. In der Regel findet die Eiablage zwei Wochen nach dem Eintreffen der Altvögel am Brutplatz statt. Die Vögel brüten gerne in kleinen Kolonien, wobei die Nester auch dicht nebeneinander liegen können. Die Nester werden über Jahre wieder verwendet und können bis zu 2,5 m hoch werden. Sie werden normalerweise in einem Baum oder auf einem Dach. Häufig aber auf Telegrafenmasten oder Masten von Stromleitungen. Oft werden mittlerweile auch in Naturschutzgebieten künstlich aufgestellte Brutmasten genutzt. Die kleine in südafrikanische Population brütet ausschließlich in Bäumen.

In der Regel werden vier Eier gelegt. Die Brutzeit beträgt 33-34 Tage. Ersatzgelege werden selten angelegt. Die Jungvögel sind nach 58-64 Tagen flügge. Weißstörche sind normalerweise nach vier, seltener schon nach zwei Jahren geschlechtsreif. Bigamie kommt gelegentlich vor.

In Gefangenschaft können die Vögel bis zu 35 Jahre alt werden. Der älteste beringte Storch wurde 33 Jahre alt. Ältere Vögel kehren früher in ihr Brutgebiet zurück, haben ein größeres Gelege und zeigen einen höheren Bruterfolg als jüngere Störche. Auch das Vorhandensein von Nahrung wirkt sich auf die Brut aus. Ist ausreichend Nahrung in der Nähe des Neststandortes vorhanden, zum Beispiel durch eine Mülldeponie, fangen die Vögel früher an zu brüten. Auf die Gelegegröße hat das aber keinen Einfluss.

Migration

Weißstörche sind in der Regel Zugvogel. Es überwintern aber immer mehr Vögel, auch in Deutschland. Zum Beispiel im Rheintal bei Freiburg oder in Südhessen auf den Bruchwiesen von Büttelborn (Dezember 2018 ca. 100 Vögel. Weißstörche ziehen tagaktiv in Schwärmen von bis zu 1000 Vögeln. Die wichtigsten Winterquartiere liegen in Afrika südlich der Sahara. Südöstliche Weißstörche der Unterart ciconia und die Unterart asiatica überwintert im Iran und Indien. Dort treffen die Vögel im September und Oktober ein, der Heimzug erfolgt im März und April. In Nordwestindien wurde schon ein in Deutschland beringter Storch gefunden. Durch Deutschland geht eine Zugscheide. Im Osten brütende Vögel ziehen über den Bosporus nach Afrika, Westdeutsche weichen über Gibraltar dem Mittelmeer aus. Während des Zuges nutzen Störche vor allem die Thermik, sie meiden deswegen großer Wasserflächen, über der sich keine Thermik aufbauen kann. Das macht sich sogar bei Gibraltar bemerkbar, der Zug verläuft hier fast ausschließlich über Tarifa. Dort ist die Meerenge zwischen Europa und Afrika nur 16 km breit.

Ost- und Westzieher unterscheiden sich erheblich in ihrem Zugverhalten. Die Störche, die nach Osten ziehen, überwintern fast vollständig in Afrika. Sie verlassen ihre Brutplätze im August und September und kehren im März bis Mai zurück. Die Westzieher hingen verbleiben zu einem großen Teil in Spanien, nur ein kleinerer Teil zieht bis Afrika weiter. Sie schließen sich den spanischen Störchen an. Weißstörche der spanischen und afrikanischen Population zeigen kaum ein Zugverhalten. Überwinternde Vögel gibt es nicht nur in Spanien auch in Frankreich überwintern immer mehr Vögel. Waren es 1993 nur einige Dutzend, betrug die Zahl überwinternder Vögel 2006 schon 1200. Das Überwintern ist kein neues Phänomen, schon seit Ende des 19. Jahrhundert überwintern Vögel in Spanien, in letzter Zeit nimmt die Zahl der überwinternden Vögel jedoch auffällig zu.

Das Winterquartier der westeuropäischen Störche liegt in Westafrika südlich der Sahelzone. Die meisten Vögel ziehen in den Niger oder nach Mauretanien einige auch bis nach Mail und in den Tschad. In Spanien als Nestlinge beringte Vögel zogen auch bis Sambia und Simbabwe. Dort überschneiden sich die Zugrouten der west- und ostziehenden Störche. Der Großteil der Störche, die über den Bosporus nach Afrika ziehen, überwintert im Sudan, dem Tschad, in Kenia oder Tansania. Es folgen aber auch viele Störche dem Verlauf des Großen Afrikanischen Grabenbruchs in die Überwinterungsgebiete nach Südafrika, Simbabwe, Botswana und gelegentlich Namibia. Dort halten sich die Vögel vor allem auf landwirtschaftlich genutzten Flächen auf.

Quelle und Links

  • Eintrag zu den Weißstorch im Handbook of the Birds of the World Alive.
  • Information zu den Weißstorch in der Deutschen Wikipedia.
  • Elliott, A., Garcia, E.F.J. & Boesman, P. (2018). White Stork (Ciconia ciconia). In: del Hoyo, J., Elliott, A., Sargatal, J., Christie, D.A. & de Juana, E. (eds.). Handbook of the Birds of the World Alive. Lynx Edicions, Barcelona. (retrieved from https://www.hbw.com/node/52744 on 13 December 2018).
  • Karte: San Jose, 1 April 2007, adapted by Chumwa, 6 May 2008 [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)], via Wikimedia Commons