Phänologie des Seidensängers in Deutschland

Der erste Nachweis des zwar heimlichen aber sehr lautstarken Sängers gelang in Deutschland erst 1958. Sechzig Jahre später ist der Seidensänger eine etablierte Brutvogelart in Deutschland.

Erste Ausbreitungswelle

Die Ansiedelung verlief nicht kontinuierlich, sondern in zwei deutlich voneinander getrennten Ausbreitungswellen. Die erste begann in den 1960er und 1970er Jahren im Zuge der Ausbreitung der Art in Belgien und den Niederlanden. Nach dem Erstnachweis 1958 häuften sich die Beobachtungen, und 1975 gelang im Innerste-Tal bei Hildesheim der erste deutsche Brutnachweis. Zeitgleich entstanden auch in Belgien und den Niederlanden größere Brutbestände. Diese Entwicklung endete jedoch abrupt durch mehrere strenge Winter zwischen 1977 und 1985. Die mitteleuropäischen Populationen brachen weitgehend zusammen, und auch in Deutschland wurden anschließend nur noch vereinzelt Seidensänger festgestellt.

Zweite Ausbreitungswelle

Erst ab 2014 begann eine zweite Ausbreitungswelle. Auslöser war die erneute und diesmal sehr erfolgreiche Besiedlung der Niederlande. Besonders im Nationalpark De Biesbosch entwickelte sich die Population innerhalb weniger Jahre von einem einzelnen Sänger zu mehreren hundert Revieren. Bereits 2015 gelang im Schwalm-Eder-Kreis der zweite deutsche Brutnachweis. In den folgenden Jahren nahmen die Beobachtungen kontinuierlich zu, wobei Nordrhein-Westfalen zum Zentrum der Ausbreitung wurde.

Mit den Jahren 2020 bis 2022 erreichte die Entwicklung eine neue Stufe. Die Zahl der Nachweise stieg deutlich an, mehrere Brutnachweise gelangen in verschiedenen Bundesländern, und an einzelnen Standorten wurden Reviere über mehrere Jahre hinweg besetzt. Die Streichung des Seidensängers von der DAK-Meldeliste zum 1. Januar 2023 markiert den vorläufigen Abschluss dieses Prozesses. Der Seidensänger gilt als etablierte Brutvogelart in Deutschland.

Einordnung im mitteleuropäischen Kontext

Die Entwicklung in Deutschland entspricht weitgehend dem Muster der Nachbarländer. Sowohl in Belgien als auch in den Niederlanden kam es zunächst in den 1960er und 1970er Jahren zu einer starken Ausbreitung, die durch die außergewöhnlich kalten Winter der späten 1970er und frühen 1980er Jahre nahezu vollständig beendet wurde. Seit den 1990er Jahren fehlten vergleichbar strenge Winter, wodurch sich die Bestände erneut ausbreiten konnten. Besonders die explosionsartige Bestandszunahme in den Niederlanden seit den 2000er Jahren erzeugte den Ausbreitungsdruck, der schließlich zur Wiederbesiedlung Deutschlands führte. 

Geografische Verteilung des Seidensängers in Deutschland
Geografische Verteilung
Jährliches Auftreten des Seidensängers in Deutschland.
Jährliches Auftreten

Quellen und Links

Zitiervorschlag:

Trepte, A. (2026): [Seitentitel]. Abgerufen am [TT. Monat JJJJ], von [URL]

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