Tundra-Goldregenpfeifer (Pluvialis fulva) im Schlichtkleid, Oman (Janaur 2026).
Tundra-Goldregenpfeifer (Pluvialis fulva) im Schlichtkleid, Oman (Janaur 2026).

Steckbrief

Größe: 23–26 cm,

Flügelspannweite: 60–72 cm

Gewicht: 135–200 g 

Verbreitung: Brutgebiet auf Tundren von West-Alaska bis zur Jamal-Halbinsel, Russland; Überwinterungsgebiet von Kalifornien über den gesamten insularen Pazifik bis Australien, Südostasien, Indien und Nordostafrika 

Zugverhalten: Langstreckenzieher mit oft nonstop durchgeführten transozeanischen Flügen; Hauptrouten über den ostasiatisch-australasiatischen sowie den mittelpazifischen Zugweg

Nahrung: überwiegend terrestrische, teils Süßwasser- und Meeres-Wirbellose (Insekten und deren Larven, Regenwürmer, Weichtiere, Krebstiere, Spinnen), zudem Beeren, Blätter und Samen, gelegentlich kleine Wirbeltiere

Lebensraum: Brut auf arktischer und subarktischer Tundra, teils Berg- und Strauchtundra;  auf dem Zug sehr variabel: landwirtschaftliche Flächen, Weiden, Küstenschlick, Sportplätze, Flugplätze, städtische Grünflächen

Brutzeit: Eiablage von Mitte Mai bis Ende Juni, regional und witterungsabhängig variierend

Nest: flache Bodenmulde, ausgekleidet mit Flechten, teils trockenen Gräsern und Blättern

Fortpflanzung: ♂ und ♀ sozial monogam; Gelegegröße 4 Eier; 1 Brut pro Jahr; Brutdauer etwa 25 Tage; Jungvögel verlassen das Nest wenige Stunden nach dem Schlüpfen; flügge nach 26–28 Tagen; beide Elternteile betreuen die Jungen bis zur Flugfähigkeit

Höchstalter: 21 Jahre und 3 Monate

Bestand: 190.000-250.000 Individuen


Stimme

Der Gesang wird von Männchen während des territorialen Balzfluges vorgetragen und klingt als klagendes „piii-chiw-ii“🔊Nach der Landung folgt oft ein komplexer musikalischer Pfeifgesang  („wet-wiiyou-wit“), den das Weibchen häufig echoartig aufgreift. Als Rufe treten zudem Alarm- und Ablenkungsrufe („piiii“ bzw. „pfiiib“)🔊, melodische Aggressionsrufe sowie leise, trillernde Balzrufe der ♂ auf, während im Flug charakteristische Flugrufe wie „chu-it“ oder „chu-eet“ zu hören 🔊 sind. Am aktivsten wird gerufen in der Zeit vor der Eiablage, wenn der Gesang bei unverpaarten ♂ Tag und Nacht erklingt. Sobald die Brut beginnt, beschränkt sich dieser Ruf vor allem auf die nächtlichen Ablösephasen der ♂.

Gesang

Rufe


Beobachtungen des Tundra-Goldregenpfeifers in Deutschland von 1850 bis heute, nach Jahreszeiten.
Beobachtungen

Vorkommen in Deutschland

Der Tundra-Goldregenpfeifer ist ein seltener Irrgast, der bisher 36-mal in Deutschland nachgewiesen wurde. Die meisten Beobachtungen gelangen im Juli, überwiegend an den Küsten von Nord- und Ostsee, einzelne Nachweise stammen jedoch aus dem gesamten Bundesgebiet. Europaweit wird die Art besonders häufig in Finnland beobachtet; dabei zeigt sich ein Zugmuster mit Altvögeln Ende Juli und Jungvögeln vor allem von Mitte bis Ende September.

Zugverhalten

Der Frühjahrszug beginnt mit einem relativ abrupten Aufbruch aus den Überwinterungsgebieten Ende April bis Anfang Mai, während die Ankunft in den Brutgebieten je nach Breitengrad zwischen Ende April und Ende Juni erfolgt. Der Herbstzug setzt bereits Ende August bis Anfang September ein, wobei Nichtbrüter 2–4 Wochen vor den Brutvögeln abziehen und Jungvögel erst einige Wochen nach den Altvögeln folgen. Unter den zuerst eintreffenden Altvögeln sind meist Weibchen zu finden.
Die Art zieht auf zwei Hauptrouten: dem ostasiatisch-australasiatischen Zugweg entlang der asiatischen Küste mit Zwischenstopps in Südkorea, Taiwan, China und Japan sowie dem mittelpazifischen Korridor von Alaska und Ostsibirien nach Hawaii und darüber hinaus, wobei sich beide Wege im Bereich des Beringmeers treffen. Ein kleinerer Teil zieht entlang der Pazifikküste Nordamerikas. Weitere Populationen nutzen transkontinentale Routen durch Zentral- und Westasien in Richtung der sibirischen Brutgebiete. Viele Flüge, insbesondere über den Ozean, werden nonstop und oft windunterstützt zurückgelegt, etwa die rund 4.500 km lange Strecke von Alaska nach Hawaii.

Vergleich im SK: Goldregenpfeifer-, Kiebitzregenpfeifer, Tundra-Goldregenpfeifer
Vergleich im SK: Gold-, Kiebitz, Tundra-Goldregenpfeifer

Merkmale

Das Männchen im Brutkleid zeigt schwarze Unterseite, goldgelb gesprenkelte Oberseite und einen durchgehenden weißen Streifen von der Stirn über die Überaugenstreifen bis zu den Flanken. Die Unterschwanzdecken sind überwiegend weiß. Das Weibchen ist im Brutkleid weniger kontrastreich, mit gescheckten weißlichen Federn im Gesicht und auf der Brust, wodurch der weiße Seitenstreifen weniger klar abgegrenzt erscheint. Im Schlichtkleid sind beide Geschlechter gelblich-beige auf der Brust und der Oberseite mit blasserer goldener Fleckung, während Jungvögel dem Schlichtkleid ähneln, jedoch eine bräunliche Bänderung an den Flanken sowie eine besonders leuchtend gelblich-beige Kopf-, Hals- und Brustfärbung aufweisen.

Unterscheidung der Pluvialis-Arten

Der Tundra-Goldregenpfeifer und der Prärie-Goldregenpfeifer (P. dominica) besitzen eine schlanke Gestalt. Der Goldregenpfeifer (P. apricaria) wirkt vergleichsweise plump und kräftig. Der Kiebitzregenpfeifer (P. squatarola) weist eine deutlich gedrungene und kompaktere Statur auf.

Beim Schnabel nimmt die relative Länge graduell vom Goldregenpfeifer über den Prärier- und den Tundra-Goldegenpfeifer bis zum Kiebitzregenpfeifer zu. 

Bei den Achselfedern stimmen Tundra- und Präriegoldregenpfeifer überein: Beide zeigen eine graubraune (rauchgraue) Färbung. Der Goldregenpfeifer hat weiße, der Kiebitzregenpfeifer schwarze Achselfedern.

Quellen und Links

Zitiervorschlag:

Trepte, A. (2026): [Seitentitel]. Abgerufen am [TT. Monat JJJJ], von [URL]

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