Vom Ausnahmegast zum regelmäßigen Besucher

Zwischen dem ersten deutschen Nachweis im Jahr 1984 und 2009 blieb der Gleitaar mit lediglich 13 Beobachtungen in 25 Jahren eine ausgesprochene Seltenheit. Seit 2010 hat sich das Auftreten jedoch grundlegend verändert: Mit Ausnahme des Jahres 2011 wurde die Art seither jährlich nachgewiesen, wobei die Zahl der Beobachtungen rasch anstieg. Nach zunächst sechs Nachweisen im Jahr 2015 und zehn im Jahr 2016 wurden die bisherigen Höchstwerte nahezu im Zweijahresrhythmus übertroffen – mit 18 Nachweisen (2019), 19 (2021) und schließlich 22 im Jahr 2022. Diese Entwicklung steht im Zusammenhang mit der deutlichen Ausbreitung der Brutbestände auf der Iberischen Halbinsel und insbesondere in Frankreich, wo sich die Art seit ihrer ersten Brut im Jahr 1990 erfolgreich etabliert hat.

Als Folge dieser Entwicklung wurde der Gleitaar zum 1. Januar 2023 von der bundesweiten DAK-Meldeliste gestrichen, da er in Deutschland inzwischen zu regelmäßig auftritt, um weiterhin als nationale Seltenheit zu gelten. Seitdem erfolgt die Dokumentation ausschließlich durch die Avifaunistischen Landeskommissionen

Saisonales Auftreten

Die meisten deutschen Nachweise entfallen auf die Monate April und Mai, wenn überwiegend einzelne umherstreifende Vögel während des Frühjahrszugs weit nördlich ihrer eigentlichen Brutgebiete erscheinen. Darüber hinaus treten regelmäßig, wenn auch deutlich seltener, Beobachtungsschwerpunkte im Spätsommer und Spätherbst auf. Dieses dreigeteilte saisonale Muster entspricht weitgehend dem Auftreten der Art in anderen Teilen Europas außerhalb ihrer Brutgebiete, beispielsweise in Frankreich, Portugal und Spanien.

Jährliches Auftreten des Gleitaars in Deutschland
Jährliches Auftreten
Saisonales Auftreten des Gleitaar in Deutschland.
Saisonales Auftreten