Die Weidenmeise (Poecile montanus) ist über fünf verschiedene Klimazonen hinweg verbreitet – vom Mittelmeerraum bis in die subarktischen Regionen Norwegens. Als Standvogel verlässt sie auch in der kalten Jahreszeit ihr Brutgebiet nicht. Die große Spannbreite klimatischer Bedingungen spiegelt sich in Unterschieden der Körpergröße wider: Tiere aus kälteren Regionen sind im Durchschnitt größer gebaut.
Das gilt auch für die Unterarten der Weidenmeise. So sind die als Alpenmeise bezeichnete montane Unterart (P. m. montanus) und die nordische Unterart (P. m. borealis) deutlich größer und kräftiger als ihre Verwandten aus Mitteleuropa und dem Mittelmeerraum (P. m. salicarius, rhenanus, kleinschmidti). Größere Vögel besitzen ein günstigeres Verhältnis von Körperoberfläche zu Volumen und können dadurch die Körperwärme besser halten.
Größe: 11,5–12 cm
Gewicht: 9,7–15,8 g
Verbreitung: Nord- und Mitteleuropa bis in den Kaukasus, Westsibirien, Japan und Nordchina
Nahrung: Kleine Insekten, Spinnen, Schnecken, Samen, Beeren, Baumknospen und Pflanzensäfte; Nestlinge v. a. mit Spinnen gefüttert
Lebensraum: Reife Laub- und Mischwälder mit Totholz, Uferwälder, Waldränder, Streuobstwiesen; auch Gärten, Parks und vereinzelt Röhrichtbereiche
Zugverhalten: Standvogel mit kurzer juveniler Streuung; im Norden teilweise nomadisch, gelegentliche Winterfluchtbewegungen
Höchstalter: 11 Jahre und 5 Monate
Brutzeit: Ende März bis Juni
Nest: Baumhöhlen, Wurzelhöhlen oder Nischen; mit Moos, Haaren und Federn gepolstert; Höhleneingang meist erweitert
Fortpflanzung: monogam; meist 1 Brut (selten 2); 5–11 Eier; Brutdauer 13–17 Tage; Nestlingszeit 16–21 Tage; Betreuung nach dem Ausfliegen ca. 7 Tage, Trennung vom Familientrupp nach ca. 15 Tagen
Bestand: 64.000-120.000 Revierpaare in Deutschland, 30,5-44,2 Millionen in Europa, 175-253 Millionen Individuen weltweit.
Status: LC – Least Concern, nicht gefährdet; Trend: abnehmend
In Deutschland: Brutvogel, Jahresvogel; nicht gefährdet, Trend: abnehmend
Die Weidenmeise zeigt zwei deutlich unterschiedliche Gesangsformen: Im Großteil des Verbreitungsgebiets besteht der „normale Gesang“ aus 3–5, selten mehr, recht lauten und abwärtsgezogenen Lauten wie „ziüh ziüh ziüh“🔊, die mit scharfem Einsatz beginnen. Im Alpenraum dagegen ist der sogenannte alpine Gesang 🔊 eine Abfolge von meist 5–7 weicheren, gleichbleibend hohen Pfeiftönen wie „dühdühdüh“. Die übrigen Rufe sind bei beiden Formen identisch und reichen von feinen „sit“- oder „zit“-Lauten über gedehnte Anschlussrufe wie „zieh“ bis zu charakteristischen Kontaktrufen („bizi-dää“ oder „zisi-dää“)🔊. Bei Störungen werden laute „dää“-Reihen sowie Warn- und Schreckrufe geäußert. Die Gesangsaktivität ist von (Januar) Februar bis April am höchsten, mit Schwerpunkt im März/April; ab Mai nimmt sie deutlich ab. Unterschiede zwischen den Geschlechtern werden nur in Bezug auf das Singen genannt: Die Weibchen singen nicht.
Die Weidenmeise ist in Deutschland fast flächendeckend nördlich der Mainlinie vertreten. Im süddeutschen Raum tritt sie hingegen deutlich seltener auf. Hauptsächlich in Baden-Württemberg, aber auch in Bayern hat sie größere Verbreitungslücken.
Die Weidenmeise lebt bevorzugt in Gehölzbeständen mit viel morschem Holz, die in Auenwäldern, Bruchwäldern und Birkenbruchwäldern vorkommen. Auch Sukzessionswälder sowie die Ränder von Mooren gehören zu ihren bevorzugten Habitaten. Sie nutzt Fichten- und Kiefernforste mit Totholz sowie Hochlagenwälder in den Alpen, besonders in der Lärchen-Zirbelkiefern-Zone. Dort brütet sie bis in 1.700 m ü. NN. In Stadtnähe wird sie gelegentlich an geeigneten Feucht- oder Ufergehölzen beobachtet. Im Allgemeinen bevorzugt sie strukturreiche, feuchte Wälder mit einem hohen Angebot an alten oder abgestorbenen Bäumen.
Die Weidenmeise ist in Mitteleuropa überwiegend standorttreu. Vor allem Jungvögel zeigen nach dem Ausfliegen ab Mitte August unregelmäßige Wanderbewegungen. Der Herbstzug erreicht seinen Höhepunkt meist zwischen Ende September und Anfang Oktober, während die wenigen Rückkehrbewegungen im Frühjahr mit dem Schneerückgang einsetzen. Ein Teil der Vögel verbleibt im Geburtsgebiet, und Wanderungen führen die Weidenmeise in der Regel nicht weiter als 50 km vom Brutplatz entfernt.
Der Bestand der Weidenmeise gilt langfristig als stabil. Die Entwicklung der Population wird im hohen Maße von Fichtenmast und dem Samenangebot anderer Nadelbäume bestimmt. Kalte Winter bestimmen weniger die Entwicklung. In den letzten Jahren zeigt sich jedoch ein Rückgang. Der in Nordrhein-Westfalen dazu geführt, dass die Weidenmeise mittlerweile landesweit als gefährdete Art eingestuft wird. Aktuell wird der bundesweite Bestand auf 64.000 bis 120.000 Revierpaare geschätzt (Stand 2016). Trend: abnehmend.
DDA (2024): Bestandsentwicklung, Verbreitung und jahreszeitliches Auftreten von Brut- und Rastvögeln in Deutschland.. DDA, abgerufen am 17.07.2025.
Die Weidenmeise ist der Sumpfmeise sehr ähnlich. Sie lässt sich von ihr durch eine matte, rußschwarze Kopfplatte, einen größeren, trapezförmigen und unscharf begrenzten Kehlfleck sowie weißlich gerandete Armschwingen und rötlich getönte Flanken unterscheiden. Eine Unterscheidung des Geschlechts anhand der Gefiedermerkmale ist nicht möglich. Jungvögel zeigen ein insgesamt matteres Gefieder mit gräulichen Wangen, beiger Unterseite und schwächer gefärbten Schwingen und Steuerfedern.
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