Alpendohle

Pyrrhocorax pyrrhocorax

Schutzstatus der Alpendohle gemäß der Roten Liste der Brutvögel des IUCN, EU, in Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Schutzstatus

Alpendohle (Pyrrhocorax graculus)
Alpendohle (Pyrrhocorax graculus)
Karte zur Verbreitung der Alpendohle (Pyrrhocorax graculus)
Verbreitung

An den Skistationen, Berghütten und an anderen touristischen Einrichtungen jenseits der Baumgrenze ist die Alpendohle (Pyrrhocorax graculus) allgegenwärtig. Sie ist ein hochalpiner Kulturfolger, der sich gerne von den Abfällen der Touristen ernährt.

Profitiert hat die Alpendohle jedoch nicht vom Tourismusboom. Ihr eigentliches Nahrungshabitat sind die Wiesen und Matten des Hochgebirges. Diese sind Skipisten, Gebäuden und Wegen zum Opfer gefallen.     

Steckbrief

Größe: 34–38 cm

Gewicht: ♂ 194–277 g, ♀ 160–254 g

Verbreitung: Von Marokko über die Alpen bis nach Zentralasien; in Europa u. a. in Spanien, Frankreich, Schweiz, Deutschland, Österreich, Italien, Kroatien, Griechenland, Bulgarien und der Türkei; in Asien bis Nepal, Bhutan, Iran und China.

Nahrung: Im Sommer hauptsächlich Insekten wie Heuschrecken, Käfer und Schnakenlarven; auch kleine Wirbeltiere und Vogeleier. Im Herbst und Winter zusätzlich viele Samen, Beeren und Früchte sowie menschliche Nahrungsreste. Versteckt häufig von Futter.

Lebensraum: Hochgebirge oberhalb der Baumgrenze, bevorzugt Felsregionen, Felswände und alpine Weiden; in Europa häufig in Skigebieten; im Himalaja bis über 8000 m.

Zugverhalten: Standvogel mit täglichen Höhenwanderungen; die meisten Tiere bleiben ganzjährig in der Nähe des Brutgebiets; nur wenige entfernen sich über 50 km. 

 

Brutzeit: In Europa und Marokko von Anfang Mai bis Mitte Juni, in Asien bis Juli.

Nest: Höhlennest in Felsspalten, Höhlen, Felsvorsprüngen oder selten in Gebäuden; Nest aus Zweigen, Wurzeln, Gras und Federn. Beide Partner am Nestbau beteiligt.

Fortpflanzung: monogam, oft lebenslange Paarbindung; Einzelbrüter, gelegentlich mit lockeren Kolonien; 4–6 Eier; 1 Jahresbrut; Brutdauer 18–21 Tage; Nestlingszeit 29–31 Tage; Familienverband bis September; Brutpflege durch beide Eltern, gelegentlich mit Helfer.

Höchstalter: 23 Jahre, 4 Monate (Wiederfang)

Bestand: 550-1.000 Brutpaare in Deutschland, 108.000-253.000 in Europa, 1,0-2,6 Millionen Vögel weltweit 

Status: LC – Least Concern (nicht gefährdet)

In Deutschland: Brutvogel, Jahresvogel


Stimme

Der Gesang 🔊der Alpendohle ist eine Tonfolge trillernder, zwitschernder und quietschender Laute. Die häufigsten Rufe der Alpendohle sind helle, durchdringende Laute wie „prri“ oder „wrri“🔊, die eine Aufbruchstimmung signalisieren, sowie tiefere Rufe wie „prrü“, „wriaa“ oder „wrieee“, die zur Kommunikation im Schwarm dienen. Stimmfühlungsrufe wie „zia“, „tschju“ oder „kraa“ zeigen Erregung an und können ganze Schwärme aktivieren. Paarrufe wie „wre“, „wrii“ oder „wrü“ dienen der individuellen Erkennung zwischen Partnern und treten oft bei der Landung oder beim gemeinsamen Aufenthalt auf. Warnrufe sind raue, klirrende Laute wie „krrrü“, „tscharr“🔊 oder ein deutliches Schnarren, das auch Alarmreaktionen im gesamten Schwarm auslösen kann.

Gesang

Flugrufe


Karte zur Verbreitung der Alpendohle in Deutschland
Verbreitung

Verbreitung in Deutschland

In Deutschland kommt die Alpendohle hauptsächlich in den bayerischen Alpen vor. Die Hauptvorkommen liegen in den Nördlichen Kalkalpen, insbesondere im Wetterstein und in den Berchtesgadener Alpen. Etwas geringere Vorkommen finden sich in den Voralpenbereichen, vorwiegend rund um das Allgäu, die Ammergebirge sowie die Chiemgauer Alpen. In den östlichen Voralpen sowie in wenigen Bereichen südlich von Benediktbeuern gibt es vereinzelte Brutplätze. Es ist schwer, in diesen unzugänglichen Bereichen die Bestände vollständig zu erfassen.

Lebensraum

Die Alpendohle brütet meist in unzugänglichen Felspartien, Höhlen und Spalten in Höhenlagen zwischen 1.450 und 2.200 m. Nahrung sucht sie bevorzugt auf alpinen Matten und Rasenflächen, gelegentlich aber auch auf vegetationslosen Felsflächen. Zusätzlich werden auch menschlich geprägte Lebensräume wie Gebäude, Skipisten oder Siedlungen – vorrangig im Winter – zur Nahrungssuche genutzt. Im Sommer können die Tiere zur Nahrungssuche auch in tiefer gelegene Tallagen ausweichen. Die Art ist stark von der Qualität der alpinen Wiesen abhängig und sensibel gegenüber baulichen Eingriffen.

Zugverhalten

Die Alpendohle ist ein ortstreuer Hochgebirgsvogel, dessen Altvögel das Brutgebiet ganzjährig beibehalten. Jungvögel und nicht geschlechtsreife Individuen zeigen hingegen ab September bis November verstärkte Umherstreifbewegungen zwischen benachbarten Kolonien. In schneereichen Wintern pendeln viele Vögel täglich von ihren Schlafplätzen in der alpinen Stufe in tiefer gelegene Siedlungen oder das Voralpenland, wobei sie Höhenunterschiede von bis zu 1900 m und Strecken von 5–20 km zurücklegen. Die Rückkehr in höhere Lagen erfolgt meist im April, kann sich bei Spätschneefällen aber bis in den Mai hinein verzögern. Großräumige Wanderungen betreffen fast ausschließlich erstjährige Vögel.

Bestandsentwicklung

Die Bestandssituation der Alpendohle wird seit den 1990er Jahren als stabil eingeschätzt. Regionale Veränderungen sind schwer nachzuweisen, da viele Brutplätze schwer zugänglich sind. Untersuchungen zeigen, dass touristische Erschließungen nicht zwangsläufig einen negativen Einfluss haben, wohl aber die Verfügbarkeit hochwertiger Nahrungshabitate. Der Bestand wird auf 550-1.000 Brutpaare geschätzt (Stand 2016).

Merkmale

Die Alpendohle ist ein zierlicher Rabenvogel mit einheitlich schwarzem Gefieder, das je nach Lichteinfall blauviolett oder grünlich glänzt. Adulte Vögel besitzen einen gelben Schnabel und korallenrote Füße, während Jungvögel einen grauen bis schmutzig gelben Schnabel und schwärzliche Füße haben. Das Jugendkleid ist insgesamt matter, oft mit braunschwarzem Ton, wobei besonders die Flügelinnenseiten und Steuerfedern Merkmale zur Altersbestimmung liefern. Die Geschlechter unterscheiden sich nicht. 

Quellen und Links

Zitiervorschlag: