Der Balkansteinschmätzer (Oenanthe melanoleuca) wurde früher als östliche Unterart des Mittelmeersteinschmätzers betrachtet. Im westlichen Mittelmeerraum ist diese Art durch den Maurensteinschmätzer (O. hispanica) vertreten, der ebenfalls den Artstatus erhalten hat. Im östlichen Verbreitungsgebiet hybridisiert der Balkansteinschmätzer ausgiebig mit dem Nonnensteinschmätzer (O. pleschanka). Diese Hybridisierungszone erstreckt sich über die Westküste des Schwarzen Meeres, den Kaukasus und das Elburs-Gebirge im nördlichen Iran. Der daraus resultierende Genfluss reicht weit über die eigentlichen Hybridzonen hinaus und führt zu Populationen mit kombinierter Gefiederfärbung beider Elternarten – besonders sichtbar in Mantel- und Halsseitenfärbung.
Hinweis: Die Aufspaltung in zwei eigenständige Arten ist noch relativ neu und wird in der Fachliteratur bislang nicht einheitlich berücksichtigt. Die Angaben im Steckbrief beziehen sich daher auf beide Formen – den Balkansteinschmätzer und den Maurensteinschmätzer.
Größe: ca. 13,5–15,5 cm
Gewicht: 12–21 g
Verbreitung: Südeuropa, Nordafrika, Transkaukasien, Vorderasien, Iran; Überwinterung in der Sahelzone Afrikas
Nahrung: Insekten (v. a. Ameisen, Käfer, Raupen, Heuschrecken, Wanzen, Fliegen), Spinnen, Schnecken, Beeren und Samen
Lebensraum: Offene, felsige, buschige Landschaften mit lückiger Vegetation; bevorzugt warme, trockene Hänge, Steppen, Wadis, Weinberge und Ruinen bis ca. 2300 m Höhe
Zugverhalten: Langstreckenzieher; Zug über Mittelmeer und Sahara in afrikanische Winterquartiere (Sahel); Rückkehr im März/April
Brutzeit: April bis Juni (regional auch März bis Juli)
Nest: Flacher Napf aus Pflanzenmaterial, meist unter Steinen, in Felsspalten oder dichter Vegetation; mit kleinen Zweigen getarnt
Fortpflanzung: Polygam (teilweise); 3–6 Eier; Brutdauer: 13–14 Tage; Nestlingszeit: 11–14 Tage; flügge: nach 11–14 Tagen; Betreuung: 9–22 Tage (regional unterschiedlich)
Höchstalter: 4 Jahre, 11 Monate
Bestand: Europa: ca. 1,4–3,3 Mio. Brutpaare (davon über 500.000 in Spanien); in West- und Mitteleuropa teils starker Rückgang
Status: Nicht gefährdet (LC – Least Concern)
In Deutschland sehr seltener Gasvogel, sieben Nachweise, fünf nach 1945, zuletzt 2017 am Dollart
Der Gesang des Mittelmeersteinschmätzers ist dem des Steinschmätzers sehr ähnlich, jedoch etwas heller und klirrend, und besteht aus Stereotypen mit harten, klappernden und teils imitierten Lauten. Es werden zwei Gesangstypen unterschieden: ein kurzer, häufig auch im Flug gegebener Strophentyp mit rauen Elementen, sowie ein längerer, eher weich klingender Typ mit eingestreuten Ruflauten, auch im Winterquartier. Typische Rufe sind „tschrr“, „tschärr“ oder „wiii“, kombiniert mit „tack“ oder summendem „trrrrt“.
Der Balkansteinschmätzer ist bisher siebenmal sicher in Deutschland nachgewiesen worden. Das mag daran liegen, dass der Balkansteinschmätzer erst vor einigen Jahren, nach genetischen Untersuchungen, nicht mehr mit dem Maurensteinschmätzer als Unterarten des Mittelmeersteinschmätzers zusammengefasst wurde.
Bei den fünf Nachweisen nach 1945 handelt es sich um Männchen, die in den Monaten April, Mai und einmal im September in Deutschland aufgetaucht sind. Das schlichter gefärbte Weibchen ist nur sehr schwer vom Weibchen des heimischen Steinschmätzers zu unterscheiden.
Männchen im Brutkleid haben schwarze Flügel, Gesicht, Kehl- und Vorderbrustpartie, wobei die weiße Oberseitenfärbung an Hinterkopf und Rücken besonders auffällt. Der Balkansteinschmätzer zeigt ein überwiegend schwarz-weißes Erscheinungsbild mit deutlich reduzierter Gelbfärbung im Vergleich zum Maurensteinschmätzer. Weibchen sind insgesamt dunkler als Maurensteinschmätzer, mit braungrauem Rücken und mehr Kontrast zu weißen Partien. Im Jugendkleid ähnelt das Gefieder der Weibchen, ist aber insgesamt kontrastärmer und schlichter.
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