Stelzenläufer (Himantopus himantopus)
Stelzenläufer (Himantopus himantopus)

Steckbrief

Größe: Flügellänge Weibchen 222–242 mm, Männchen 240–255 mm; Tarsus Weibchen 104–126 mm, Männchen 118–137 mm.

Gewicht: Adulte 145–289 g, im Mittel 205 g; Jungvögel 142–210 g.

Verbreitung: gemäßigte bis äquatoriale Regionen Europas, Asiens und Afrikas; Schwerpunkt im Mittelmeerraum.

 Nahrung: vor allem aquatische Insekten und deren Larven; außerdem Mollusken, Krebstiere, Spinnen, Würmer, Kaulquappen, kleine Fische und Fischeier.

Höchstalter: 13 Jahre und 2 Monate.

Lebensraum: flache Feuchtgebiete; Süßwasser-Marschen, Sümpfe, Seeufer, Flussbetten, Reisfelder, überschwemmte Felder, Salinen und Küstensalzmarschen.

Zugverhalten: regional sehr unterschiedlich; nördliche Populationen überwiegend ziehend, südliche Populationen teils standorttreu, teilziehend oder lokal nomadisch.

Brutzeit: sehr variabel; in Europa Nestanlage von Ende April bis Anfang Juli, je nach Region und Wasserstand.

Nest: einfache Bodenmulde oder Nest aus Schlamm und Vegetation; häufig auf Inseln, Schlammflächen, Sandbänken, Grasbüscheln oder in niedriger Vegetation.

Fortpflanzung: meist saisonal monogam; bei Weibchenüberschuss auch bigame oder polygame Gruppen möglich;  4 Eier (3–6) ; 1 Brut pro Saison; Brutdauer 22–26 Tage; Bebrütung durch beide Eltern; Jungvögel nach 26–32 Tagen flügge; Betreuung durch die Eltern mindestens 2–4 Wochen nach dem Flüggewerden.

Bestand: Europa 50.700-135.000 Paare 


Karte zur Verbreitung des Stelzenläufers (Himantopus himantopus) in Deutschland
Verbreitung

Verbreitung in Deutschland

Der Stelzenläufer ist in Deutschland ein seltener, aber inzwischen regelmäßig brütender Vogel, dessen Vorkommen vor allem im Norden des Landes liegt.

Schwerpunkte der Brutverbreitung liegen an der Nordseeküste (Schleswig-Holstein, Niedersachsen) sowie in den Ostsee-Poldern Mecklenburg-Vorpommerns.

Im Binnenland treten Brutvorkommen deutlich seltener auf und beschränken sich meist auf einzelne geeignete Standorte.

Seit 2012 brütet die Art jährlich in Deutschland und hat ihr Brutareal in mehreren Bundesländern erweitert.

Lebensraum

Bevorzugt werden flache Feuchtgebiete mit ausgedehnten Flachwasserzonen, trockenen Neststandorten und schützender Vegetation. An der Nordseeküste nutzt der Stelzenläufer vor allem Moore, Polder und Köge. Im Binnenland besiedelt er häufig vom Menschen geschaffene Sekundärlebensräume wie Tagebaue oder Klärteiche. Koloniebruten gemeinsam mit anderen Limikolen wurden in Deutschland bislang nicht beobachtet. Trockenere Sommer fördern die Entstehung geeigneter Brutgebiete und können die weitere Ausbreitung der Art unterstützen.

Bestandsentwicklung

Die Brutgeschichte des Stelzenläufers in Deutschland reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück, über lange Zeit blieb die Art jedoch eine seltene Ausnahmeerscheinung. Bis in die jüngere Vergangenheit wurden meist nur einzelne, verstreute Brutversuche und Bruten bekannt. Seit 2012 hat sich die Situation deutlich verändert, da die Art inzwischen jährlich in Deutschland brütet.

Die Zahl der Brutpaare nahm zu und die Brutvorkommen verteilen sich inzwischen auf mehrere Bundesländer, mit Schwerpunkten in Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen. Der bisher höchste bekannte Bestand wurde 2020 mit 17 Brutpaaren erreicht.

Brutvorkommen nach Bundesländern

Schleswig-Holstein
Schleswig-Holstein bildet zusammen mit dem nordwestdeutschen Tiefland das Kerngebiet der deutschen Stelzenläufer-Population. Besonders an der Wattenmeerküste hat sich die Art etabliert. Aus dem Beltringharder Koog im Kreis Nordfriesland stammen sechs der siebzehn für Schleswig-Holstein dokumentierten Brutnachweise. Kennzeichnend sind dort weitläufige Flachwasserzonen.

Mecklenburg-Vorpommern
Ein zweiter Schwerpunkt liegt an der Ostseeküste, besonders in den Poldern um Anklam im Kreis Vorpommern-Greifswald. Der erste Brutnachweis gelang 1998 im Peenetal bei Anklam. Im Polder Kamp brütete die Art 2020 und 2021 in Folge erfolgreich. Dies ist bislang der einzige dokumentierte Fall von Brutplatztreue über zwei Jahre in Deutschland.

Nordrhein-Westfalen
Aus Nordrhein-Westfalen waren bis 2019 nur drei Bruten bekannt. Im Jahr 2020 kamen vier weitere hinzu. Die Brutplätze lagen an den Krickenbecker Seen im Kreis Viersen und auf der Bislicher Insel im Kreis Wesel. Vermutlich wechselte ein Paar innerhalb derselben Saison vom ersten zum zweiten Gebiet. Falls es sich um dieselben Vögel handelte, wäre dies ein seltener Hinweis auf einen Brutplatzwechsel innerhalb einer Brutzeit.

Bayern
In Bayern tritt der Stelzenläufer vor allem als unregelmäßiger Gast auf. Der Brutbestand wird nur grob auf null bis drei Paare geschätzt. Ältere Nachweise stammen aus dem Unterallgäu, jüngere aus dem Allgäu und von der Donau. Eine Besonderheit sind die Klärteiche bei Mittelstetten im Landkreis Donau-Ries. Dort wurde an einem Sekundärgewässer wiederholt erfolgreich gebrütet.

Sachsen und Sachsen-Anhalt
Kleinere, verstreute Brutvorkommen liegen in der Leipziger Tieflandbucht in Sachsen und in der Magdeburger Börde in Sachsen-Anhalt. Detaillierte Angaben zu den Brutpaarzahlen liegen für beide Regionen bislang nicht vor.

Weitere Bundesländer
Aus Hessen ist bisher nur ein historischer Brutfall bekannt: 1975 bei Wabern. In Niedersachsen reichen die dokumentierten Vorkommen weiter zurück. Bereits 1999/2000 brütete die Art im Teufelsmoor im Kreis Osterholz-Scharmbeck, 2020 erneut am Dümmer. Insgesamt bleibt der niedersächsische Brutbestand klein und unregelmäßig.

Auffällig ist das Fehlen von Brutnachweisen aus Rheinland-Pfalz, dem Saarland und Baden-Württemberg. Damit folgt die Brutverbreitung in Deutschland nicht einfach der Nähe zum mediterranen Hauptverbreitungsgebiet. Sie konzentriert sich vielmehr auf norddeutsche Küstenregionen mit großflächigen, störungsarmen Flachwasserlebensräumen.

Zugverhalten

Der Stelzenläufer ist in Mitteleuropa ein Zugvogel und überwintert überwiegend in den Tropen Afrikas, vor allem in der Sahelzone bis zum Golf von Guinea. Kleinere Winterbestände kommen auch in Südspanien und Marokko vor. 

Der Frühjahrszug erreicht Mitteleuropa überwiegend von der zweiten Aprilhälfte bis Mitte Mai, wobei die meisten Vögel Anfang Mai an den Brutplätzen eintreffen. Der Herbstzug beginnt bei Altvögeln bereits Ende Juli, Jungvögel folgen überwiegend ab Mitte August

Während Altvögel die Brutgebiete früher verlassen, bleiben Jungvögel häufig bis Ende August oder Anfang September zurück. Zudem verbleiben viele nicht geschlechtsreife Vögel im Winterquartier und kehren im folgenden Frühjahr nicht in die Brutgebiete zurück.

Stimmen

Stelzenläufer sind an Brutplätzen besonders ruffreudig, vor allem in größeren Kolonien, während Einzelvögel oder Paare oft still bleiben. Ihr charakteristischer Ruf ist ein lautes, einsilbiges „quät quät“ oder „huet huet“, das bei Erregung in schrille, mehrfach wiederholte Rufe wie „kuip“, „djuä“ oder „gäck“ übergeht. Bei Balz oder starker Aufregung äußern sie schnelle Rufreihen und verschiedene Lautäußerungen, von sanftem „tick tick“ bei Zärtlichkeit bis hin zu kreischenden Alarmrufen wie „örkörk“.

Jungvögel des Stelzenläufers rufen bei Angst oder wenn sie verlassen sind, zunächst mit schnellen Lauten wie „dügid dügid“. Etwas später geht dieser Ruf in ein rhythmisches „düg düg düg“ über, das dem der jungen Säbelschnäbler sehr ähnlich ist. Insgesamt ähneln die hohen, scharfen Rufe der Jungvögel bereits denen der Altvögel.

Rufe


Merkmale

Männliche Stelzenläufer haben im Brutkleid ein kontrastreiches Gefieder mit glänzend schwarzen Flügeln und Rücken sowie auffallend langen, rosaroten Beinen. Ihr Gefieder kann einen grünlichen Glanz aufweisen. Weibchen sind insgesamt matter gefärbt, mit brauneren Oberseiten ohne grünlichen Glanz. Jungvögel ähneln den Weibchen, zeigen aber sepiafarbene Töne an Kopf, Rücken und Flügeln sowie eine insgesamt weniger kontrastreiche Färbung. Nichtbrütende Männchen sind in den Farben matter und ähneln den Weibchen. 

Quellen und Links